Die Ungerechtigkeit bleibt | FURIOS Online
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Die Ungerechtigkeit bleibt

Alle Jahre wieder: Die Inspektoren der Exzellenzinitiative kommen an die FU. Doch im Rennen um die Fördermillionen drohen die wirklichen Probleme mal wieder ignoriert zu werden. Ein Kommentar von Lev Gordon.

Die Zahl ist beeindruckend: 2,7 Milliarden Euro sind in der dritten Runde der Exzellenzinitiative ausgeschrieben. Im Sommer wird über die Anträge entschieden. Die Förderung wird dann bis zum Jahr 2017 laufen. Die Freie Universität Berlin ist die erfolgreichste Uni im Wettbewerb der Exzellenzinitiative. Doch wie profitieren die Studierenden davon? Die fragen sich angesichts überfüllter Hörsäle und knapper Seminarplätze immer wieder: Ist das eine exzellente Universität?

Auf den ersten Blick ist die Exzellenzinitiative eine feine Sache: Sie bringt Bewegung in die Strukturen der Hochschullandschaft und ist eine wahre Jobmaschine: Allein 4057 neue Arbeitsplätze hat sie deutschlandweit seit 2007 geschaffen. Hinzu kommen 220 Professuren und 4000 WissenschaftlerInnen, die durch die Initiative an die Universitäten gekommen sind. Zur Exzellenzinitiative gehören drei Förderlinien: Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung“. Die Freie Universität hat in allen drei Förderlinien erfolgreich abgeschnitten und hat zwischen 2007 und 2012 Mittel in Höhe von 108 Millionen Euro erhalten.

Wen kümmert die Lehre?

Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Denn von dem Geld profitiert keinesfalls die gesamte Universität, sondern nur einzelne Bereiche. Mit dem Geld wird nur eine kleine Gruppe WissenschaftlerInnen gefördert, die der FU internationales Ansehen einbringen. Die 108 Millionen Euro verteilen sich auf drei Exzellenzcluster und fünf Graduiertenschulen. Dort, wo das Geld am meisten gebraucht wird, kommt es nicht an: in der Lehre. Die Inspektoren, die derzeit auf dem Campus unterwegs sind, schauen sich bei ihrem Rundgang weder die vollen Hörsäle an, noch wird die sinkende Anzahl der Professuren bewertet.

Grund dafür ist die Gesetzgebung: Die schreibt vor, dass Lehre Ländersache ist und dass der Bund sich nicht einmischen darf. In die Forschung darf aber weiter investiert werden. Selbst bei der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), die zusammen mit dem Wissenschaftsrat die Federführung bei der Exzellenzinitiative hat, sieht man das kritisch. „Gelinde gesagt bescheiden“ sei die Situation laut DFG-Sprecherin Beate Konze-Thomas. „Das Hauptproblem ist die schlechte Grundausstattung an vielen deutschen Universitäten.“ Davon sei nicht nur die Lehre, sondern auch die Forschung betroffen. Knappe Forschungsbudgets können allerdings mit Drittmitteln ausgeglichen werden; für die Lehre ist das nicht möglich. Tatsächlich erhöhte sich nach der Teilnahme am Wettbewerb die Drittmitteleinwerbung von 57,1 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 96,2 Millionen Euro 2009.

Aber muss die Lehre benachteiligt werden, nur weil sie sich nicht selbst retten kann? Die DFG gibt sich selbstkritisch: Man habe aus den Fehlern der letzten Runde gelernt und stelle die Lehre dieses Mal nicht in den Hintergrund. In den neuen Richtlinien finden sich dennoch nur vage Absichten zu „innovativen Konzepten zur forschungsorientierten Lehre“. So gibt es weiterhin wenige Anreize für die vom Sparzwang geplagte FU, in die Lehre zu investieren. Die FU muss jedes Jahr allein 75 Millionen Euro kürzen, um den Budgetplan einzuhalten. Das schafft unhaltbare Zustände wie am Otto-Suhr-Institut, wo unbezahlte Tutorien gängige Praxis sind.

Die Ungerechtigkeit bleibt also. Schlimmer noch, wenn sich nichts ändert, droht die Exzellenzinitiative die Verhältnisse von Forschung und Lehre zu zementieren. Die Länder müssen sich endlich ihrer Verpflichtung bewusst werden und die Lehre an den Unis ausreichend finanzieren. Aber auch der Bund ist mit Schuld: Er setzt auf Prestigewettbewerb, ohne auf die Defizite der Universitäten Rücksicht zu nehmen. AStA und Fachschaftsinitiativen haben heute und morgen zu Protesten aufgerufen, um diese Umstände zu kritisieren.

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