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Selbstfindung auf Irrwegen

Claudius Pläging ist Autor für Comedy- und Unterhaltungsshows und außerdem Singer-Songwriter. In seinem Romandebüt „Häkchen-Harakiri – Die To-Do-Liste des Konrad Roth“ zeichnet er das Portrait eines jungen Mannes nach mit all seinen Gedanken, Ängsten, Zwängen und dem Versuch aus dem Gewohnten auszubrechen. Von Alexandra Harin

Illustration: periplaneta

Auf den ersten Blick führt Konrad Roth ein ganz normales Leben. In seiner Beziehung ist er zwar etwas unzufrieden geworden, erachtet es jedoch als ganz natürliche Abnutzungserscheinungen. Sein Job ist ganz passabel, wenn auch nicht das, was er sich einst beruflich erträumt hatte. Eines Tages macht Konrads Freundin Schluss. Kurz danach hängt er trotz Aussicht auf Beförderung auch seinen Job an den Nagel, gemäß dem Motto: Wenn schon bei Null anfangen, dann auf ganzer Linie. Um nicht ganz in Selbstmitleid zu verfallen, überlegt sich Konrad eine To-Do-Liste mit 10 Dingen, die er bewältigen will. Diese sind nicht weltbewegend, dafür aber ziemlich unangenehm. Dinge, die er unter normalen Umständen nie tun würde. So nimmt das Abenteuer „To-Do-Liste“ seinen Lauf und manövriert Konrad in eine absurde Situation nach der anderen, bis er sich – koste es was es wolle – jedes einzelne Häkchen erkämpft.

Zugegeben – „Protagonist verliert Freundin und Job und von da an ändert sich sein Leben“  ist vielleicht nicht die originellste Idee für den Beginn einer Story, erinnert es doch sehr an den Kitsch etlicher Hollywood Filme. Alles dreht sich um die selbstauferlegte To-Do-Liste, die Konrad zwingt, seine Grenzen kennenzulernen. Wer darauf hofft, Konrad werde Fallschirmspringen lernen oder auf der Suche nach sich selbst eine Pilgerreise antreten, mag enttäuscht werden, denn die Herausforderung besteht darin, sich ohne Grund gnadenlos zu prügeln oder in einem Laden etwas mitgehen zu lassen. Passend zum Figurentypus des Antihelden, den Konrad Roth verkörpert. Zwar macht er sich mit seinem Verhalten durchgehend zum Narren, erntet aber gerade durch seine Schwächen Sympathie. An Willenskraft und Konsequenz mangelt es ihm zumindest nicht – das muss man dem Protagonisten lassen.

Ganz ehrlich? Das Buch ist langweilig. Eigentlich will es in erster Linie amüsieren, aber das klappt nur bedingt. Der Humor ist flach und man runzelt öfter irritiert die Stirn. Außerdem sollte der Leser sich fragen, ob es einen interessiert, was sein Nachbar oder der Typ an der Ampel den ganzen lieben Tag lang treiben – denn jeder von ihnen könnte Konrad sein. Irgendwann quält man sich nur noch von Häkchen zu Häkchen und wundert sich, dass nichts passiert. Auf die große Erkenntnis wartet man vergebens.

„Des Erzählers Kunst ist es, zu unterhalten noch mit dem, was eigentlich langweilig sein müsste…“, sagte Thomas Mann. Aber Kunst wäre keine Kunst, wenn sie jeder beherrschen würde.

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