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Wahlgeheimnis

Zwischen dem 10. und dem 12. Januar werden das Studierendenparlament und die Fachschaftsräte der FU neu gewählt. Doch davon hattest du, lieber Kommilitone, mal wieder überhaupt keine Ahnung. Eine verständnisvolle Ansprache von Katharina Hilgenberg.

 

Illustration: Charlotte Bolwin

Es ist Wahlkampfzeit an der FU, vormals die politischste Uni Deutschlands. „Halt, warte mal – Wahlkampf?“ Der an Hochschulpolitik wenig interessierte Durchschnittsstudent hat davon nichts mitbekommen. „Was wird’n da schon wieder gewählt, hä?“

Das Studierendenparlament wird gewählt, mein Lieber. Und die Fachschaftsräte gleich mit dazu. Und zwar von deinen Kommilitonen und dir. Besser gesagt: von den hochschulpolitisch aktiven elf Prozent unter deinen Mitstudierenden.

Keine Sorge, es ist nicht deine Schuld. Wenigstens dieses Jahr nicht. Denn der Wahlkampf lässt sich schwach an. Wir alle mussten in diesem Jahr zu früh an die Uni zurückkehren. Silvester hatte in den besten Clubs der Stadt kaum angefangen und du hattest noch nicht einmal die Hälfte deiner Neujahrsresolutionen gebrochen, da klickten sich die Profs schon wieder munter durch hunderte schlecht aufbereitete Power-Point Folien. Noch am Freitag bedankten sich Dozenten, wenn überhaupt jemand zu ihren Veranstaltungen erschien.

Die erste Januarwoche scheint nicht nur eine schlechte zum Studieren zu sein. Offensichtlich eignet sie sich auch nicht gut zum Wahlkämpfen. Abgerissene Plakate, Flyerstapel in den Müllcontainern, Wahlkampfbanner im Schnee… Die StuPa- Wahl findet schon immer in den ersten zwei Vorlesungswochen nach der Weihnachtspause, dem Hintertreffen des Hochschulbetriebs, statt. Dieses Datum hat noch nie besonders viele Wähler dazu animiert, sich zu den Urnen zu schleppen. Doch dieses Jahr bewegt es nicht einmal die Kandidaten. Vereinzelt hängen Wahlplakate an den Bäumen zwischen der U-Bahn Station Thielplatz und dem Otto-Suhr-Institut. Traurig flattern ihre abgeknickten Ecken im untypisch milden Winterwind. Für: Solidarität, bessere Studienbedingungen, die Erweiterung des Semestertickets, soziale Gerechtigkeit, bedingungsloses Grundeinkommen, sozialistische Träume. Gegen: Studiengebühren, Einflussnahme der Wirtschaft, Rechts, Polizeigewalt, die Staatsmacht, das Kapital. Die Utopien haben sich im letzten Jahr nicht geändert. Und restfett vom Jahreswechsel hatte anscheinend auch niemand Lust, die alte Leier noch irgendwie originell aufzuarbeiten. „Und wieso auch?“, sagst du. „Geht doch eh niemand wählen.“

Dass das wiederum dem AStA ganz gut passt, ist ein offenes Geheimnis. Kleine Listen profitieren im Wahlsystem der FU davon, dass du den Urnen fernbleibst. So reichten knapp 30 Stimmen bei der Wahl im letzten Jahr für einen Sitz im StuPa aus – für weitere Mandate sind verhältnismäßig mehr Stimmen nötig. 265 Stimmen verschafften den Jusos im letzten StuPa gerade einmal vier Sitze. Da sich seit der letzten Wahl nichts an diesem heftig kritisierten System geändert hat, werden auch bei dieser Wahl große Listen mit höheren Wahlanteilen Benachteiligung erfahren. Und so gehen auch die Mauscheleien um mögliche Tarnlisten des AStA weiter. Denn so richtig blicken die wenigsten durch im Listengewirr des StuPa, selbst wenn dieses Jahr mit 43 Listen weniger als gewöhnlich antreten.

Dabei haben in vergangenen Jahren gerade die kleinen Listen den engagiertesten Wahlkampf betrieben. Zu den letzten Wahlen verteilte die FSI Ethnologie unter dem Motto „gefühlsecht und einfühlsam“ hunderte Flyer mit aufgeklebten Kondomen. In diesem Jahr gibt es nur eine schnöde Verteilermail. Ähnlich mau sieht es in der FU-Blogosphäre aus. Es fiel nicht einmal allen Listen ein, ihre StuPa-Kandidatur im Web anzukündigen.

Das Ergebnis ist nicht schwer zu prophezeien: Die Wahlbeteiligung wird ähnlich gering sein wie in den letzten Jahren. Ein Richtungswechsel in der AStA-Politik ist nicht zu erwarten. Aber wer weiß? Vielleicht steigt der Enthusiasmus während der Wahlwoche ja doch noch an. Zur Infogasse in der Rost- und Silberlaube haben sich immerhin 14 Listen angemeldet. Ein wenig Feuer sollte dort, im Hörsaal-Foyer, wo du und deine desinteressierten Freunde schwer ausweichen können, doch entfacht werden können. Denn dem Engagement der 60 Parlamentarier gebührt Würdigung, zumindest aber freundliche Kenntnisnahme.

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