„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ | FURIOS Online
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„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“

Die jüngste Jura-Professorin Deutschlands über ihre Motivation, das Verhältnis zu ihren Studierenden und ihre Zukunftspläne. Ein Interview von Rani Nguyen.

Prof. Dr. Lena Rudkowski, 25, lehrt seit dem Sommersemester 2011 an der Freien Universität. Sie ist Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Arbeits- und Versicherungsrecht. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft an der FU legte sie 2008 und 2010 ihre Staatsexamen ab. In der Zwischenzeit absolvierte sie ihr Referendariat in Berlin und London. 2010 promovierte sie schließlich zum Streik in der Daseinsvorsorge.

FURIOS: Frau Rudkowski, Sie sind Deutschlands jüngste Jura-Professorin. Wie haben Sie es so schnell die Karriereleiter hinauf geschafft?

Lena Rudkowski: Vorerst bin ich ja nur Junior-Professorin. Ich habe nach zwölf Jahren Abitur gemacht und das erste juristische Staatsexamen nach sechs Semestern abgelegt.

FURIOS: Wie schafft man das Examen in so einer kurzen Zeit?

Rudkowski: Man muss beispielsweise auf ein Auslandssemester verzichten. Aber es ist nicht so, dass man Tag und Nacht studiert, Freizeit hatte ich trotzdem noch und auch sonst habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

FURIOS: Warum wollten Sie überhaupt so schnell fertig werden?

Rudkowski: Meine Motivation kam eigentlich von meiner Angst, die allen Studierenden vor dem Staatsexamen immer eingebläut wird. Ich wollte mich aber nicht die ganze Zeit davor fürchten. Deshalb dachte ich mir, meinen Freischuss dafür einzusetzen, mir vorher schon mal anzuschauen, was denn wirklich auf mich zukommt. Und es hat auf Anhieb geklappt.

FURIOS: Akademisch haben Sie fast alles erreicht. Gibt es auch etwas, was Sie nicht können?

Rudkowski: Ja, Verfassungsrecht und Grundrecht beispielsweise. Oder den Kopierer richtig bedienen.

FURIOS: Hatten Sie eigentlich schon früh den Wunsch, in der Lehre und Forschung zu bleiben?

Rudkowski: Das hat sich so ergeben. Ich hatte schon vor Abschluss  des Studiums eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin und als ich mit den Prüfungen fertig war, war die Stelle für die Junior-Professur gerade ausgeschrieben.

FURIOS: Was sagen Ihre Freunde und Familie dazu, eine solch junge Professorin unter sich zu haben?

Rudkowski: Als Beamtin bin ich eher das schwarze Schaf, gerade meine großen Brüder finden das amüsant und ziehen mich gerne damit auf. Auch meine Freunde spotteten anfangs etwas und fragten, ob Sie mich denn noch duzen dürften.

FURIOS: Viele Ihrer Studierenden sind älter als Sie. Fühlen Sie sich manchmal nicht ernstgenommen?

Rudkowski: Bis jetzt hatte ich keine Schwierigkeiten. Manche Studierenden schauen ein bisschen komisch, wenn sie sehen, was da ankommt. Die meisten sind aber eher erstaunt und neugierig und kommen nach der Veranstaltung, um nachzufragen und ihre Neugier zu stillen.

FURIOS: Ein Student bietet Ihnen das „Du“ an. Was sagen Sie?

Rudkowski: Das ist in der Tat bereits vorgekommen.  Ich hatte auch einen netten Herrn zur Studienberatung bei mir, der danach meine Nummer haben wollte. Das geht aber nicht, denn Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Auch Ausnahmen gehen nicht, am Ende bin ich ja der Prof.

FURIOS: Geht noch nicht einmal ein Drink?

Rudkowski: Mein Dekan geht gerne mal mit Studierenden was trinken und macht demnächst sogar eine Karaoke-Party, aber der kann sich das auch leisten. Gerade in meinem Alter und verbunden mit meiner Position mutet so etwas komisch an. Ich habe auch schon Studierende beim Weggehen getroffen. Man nickt sich dann halt zu, aber das war’s. Über was soll man denn auch reden? Über die letzte Klausur?

FURIOS: Wie reagieren Sie auf Freundschaftsanfragen auf Facebook von Ihren Studierenden?

Rudkowski: Das kann mir nicht passieren, aus Prinzip habe ich nämlich gar kein Facebook-Profil. Ich treffe meine Freunde lieber im realen Leben. Viele meiner Freunde besitzen nämlich auch keinen Account bei Facebook.

FURIOS: Sie unterrichten vier Stunden pro Woche. Was machen Sie die restliche Zeit?

Rudkowski: Hier am Fachbereich Rechtswissenschaften muss man nebenbei habilitieren, auch wenn Junior-Professuren den Weg in die ordentliche Professur eigentlich dadurch abkürzen sollten, dass auf eine Habilitation verzichtet würde.

FURIOS: Kommt das daher, dass die Rechtswissenschaft ein bisschen konservativ ist?

Rudkowski: Ja, hier sind alle sehr konservativ, aber sicher nicht ganz so konservativ wie Juristen normalerweise. Denn sonst hätten sie auch keine 25-Jährige zur Professorin berufen.

FURIOS: Ihre Doktorarbeit wurde bei C.H. Beck veröffentlicht und kann bei Amazon bestellt werden. Verdient man damit Geld?

Rudkowski: Nein, um Gottes Willen. Ich erhalten davon keine Einnahmen. Fragen Sie mich nicht, wo das Geld hingeht. Man muss sogar drauflegen, wenn man eine Dissertation herausbringt. Mit 2000 Euro dürfen Sie schon rechnen.

FURIOS: Was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Rudkowski: Da ich habilitiere, ist mein Ziel schon, eine ordentliche Professur zu erhalten. Mal sehen, wie lange die Habilitation  dauert. Meine Junior-Professur ist bis 2014 befristet, mit der Option zu verlängern. Maximal hätte ich inklusive Verlängerung sechs Jahre Zeit dafür. Oftmals schaffen das aber Junior-Professoren in dieser Zeit nicht.

FURIOS: Warum nicht?

Rudkowski: Ich denke, dass das am Arbeitspensum liegt. Sonst hat man als habilitierender wissenschaftlicher Mitarbeiter beispielsweise keine Verwaltungsaufgaben und sitzt geschützt am Lehrstuhl. Allerdings sind die Professoren und Verwaltungsleute hier am Fachbereich mittlerweile sehr bemüht um ihre Junior-Professoren und achten darauf, dass sie auch zur Habilitation gelangen.

FURIOS: Zu welchem Thema habilitieren Sie?

Rudkowski: Zur Kontrolle von Finanzdienstleistungsunternehmen.

FURIOS: Das ist ja sehr aktuell!

Rudkowski: Genau, zurzeit wird in diesem Bereich ein Gesetz nach dem anderen verabschiedet. Da stellt sich die Frage, inwieweit diese Regelungswut überhaupt etwas bringt.

FURIOS: Was wenn es mit der wissenschaftlichen Karriere doch nichts wird?

Rudkowski: Dann würde ich Richterin werden. Da kann man nämlich frei entscheiden und machen, was man denkt. Diese Freiheit kann nur noch der Job als Professorin toppen.

FURIOS: Frau Rudkowski, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Habilitation.

Ein Kommentar

  • Wie gruselig, ein Teenager als Richter und Rechtsprof. Lustig finde ich, dass sie ihr schnelles Studium unter anderem darauf zurückführt, dass sie sich ein Auslandssemester geschenkt hat. So leicht kann man fast zwei Jahrzehnte bildungspolitsche Phraseologie und „Reformpolitik“, inklusive Bologna, Exzellenzinitiative und dem ganzen Blödsinn mit einem einzigen Satz ad absurdem führen. Frau Schaven darf sich wundern, und Frau Wanka staunen. Ich jedenfalls bin beeindruckt.

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