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Versuch einer Besetzung

Am vergangenen Mittwoch fand eine studentische Vollversammlung statt, im Anschluss besetzte ein Teil der Anwesenden das Seminarzentrum. Das Präsidium demonstrierte Härte und ließ noch in derselben Nacht räumen; den Besetzern droht ein Strafverfahren. Von Max Krause

Der Hörsaal 1A war während der Vollversammlung gut gefüllt. Foto: Nick Jaussi (flickr)

Es war wohl eine der kürzesten Hörsaalbesetzungen der FU-Geschichte: Nach der Vollversammlung am vergangenen Mittwoch zogen etwa 200 Studierende ins Seminarzentrum. Noch in derselben Nacht wurde geräumt, 56 Studierende sehen sich mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs konfrontiert. Präsident Peter-André Alt hat den Strafantrag persönlich unterzeichnet. Als Reaktion auf das Vorgehen des Präsidiums hat Mathias Bartelt, studentisches Mitglied im Akademischen Senat, eine Petition gestartet, die Alts Rücktritt fordert.

Vorausgegangen war eine wochenlange Planung der ersten studentischen Vollversammlung in diesem Semester. Organisiert wurde sie von der offenen Gruppe „Occupy University“, die sich viel Mühe machte, auf die Veranstaltung hinzuweisen. Die Silberlaube und ihre Umgebung hing so voll mit Plakaten und Transparenten wie zuletzt vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Bildungsstreik-Bewegung.

Tatsächlich wurden die Aktiven für ihre Anstrengungen belohnt: Als die Vollversammlung um halb eins startete, war der Hörsaal zum Bersten gefüllt, schätzungsweise 600 bis 800 Studenten waren anwesend. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Grußworte von den Streikenden an der Charité, von zwei Aktivistinnen der Studentenproteste im brasilianischen São Paolo und von einer Vertreterin der Berliner Occupy-Bewegung.

Dann ging es ans Eingemachte: Mitorganisator Aaron präsentierte zehn Forderungen, die die VV im Anschluss diskutierte. Gefordert wurde etwa, Zulassungsbeschränkungen abzuschaffen, die Arbeitsbelastung für Studierende zu reduzieren und die Beeinflussung der Universität durch Wirtschaft und Militär zu beenden. Außerdem standen allgemeinpolitische Punkte wie die Einführung eines Mindestlohns und die Bekämpfung der Mietpreisentwicklung auf der Agenda. Insgesamt, so erklärte Aaron, sei versucht worden, Forderungen zu stellen, die nicht nur punktuelle Veränderungen bringen, sondern „das System abschaffen“.

In der anschließenden Diskussion gab es viel Zustimmung zum Forderungskatalog, aber auch vereinzelten Widerspruch. Ein Student wurde ausgebuht, als er die Ansicht vertrat, auch die Studenten seien Teil des Staates und könnten daher auch selbst zur Finanzierung der Uni beitragen. Schließlich stimmte die überwiegende Mehrheit der Anwesenden den Forderungen zu.

Mit dem Ende der Vollversammlung, machte sich ein Teil der Studierenden auf den Weg ins Seminarzentrum gegenüber der Mensa, um dort weiter zu diskutieren. Vor Allem wurde hier eine weitgehend ergebnislose und langwierige Debatte über zukünftige Aktionen geführt, immer weniger Studierende beteiligten sich daran. Gegen 17:30 löste sich das Plenum schließlich auf, um in kleineren Gruppen weiter zu arbeiten. Viele der noch Anwesenden richteten sich darauf ein, die Nacht in der Universität zu verbringen. Dazu sollte es jedoch nicht kommen: Eine halbe Stunde vor Mitternacht begann die Polizei mit der Räumung des Seminarzentrums.

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