Präsidium lässt besetzten Seminarraum räumen | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Präsidium lässt besetzten Seminarraum räumen

Am Mittwoch gegen 23.30 Uhr räumte die Polizei das Seminarzentrum in der Rost- und Silberlaube. Bildungsstreik-Aktive hatten ihn nach der Vollversammlung am Nachmittag besetzt, um sich einen offenen Diskussionsraum zu schaffen. Von Margarethe Gallersdörfer

Zum Schluss zog das Präsidium es durch: Um 0.30 Uhr befanden sich keine Studierenden mehr in der Silberlaube. Bis kurz nach 23 Uhr war auf den Fluren des Seminarzentrums noch spekuliert worden, ob die Ankündigungen wohl ernst gemeint seien. Gegen 20 Uhr waren zwei Verteter der Universitätsleitung im Seminarzentrum erschienen. Nachdem sie sich nach einigen Diskussionen den Regeln des Plenums fügten und sich auf die Redeliste setzen ließen, baten sie darum, die Räumlichkeiten der Silberlaube, entsprechend der Öffnungszeiten, bis 22 Uhr zu verlassen. Sollte dies nicht geschehen, werde das Präsidium „von seinem Hausrecht Gebrauch machen“.

Laut ihrer Aussage teile das Präsidium einige der Forderungen durchaus. Sie plädierten jedoch für Rücksicht auf die Raumnot an der FU und boten den Studierenden an, ihnen einen anderen Raum zur Vefügung zu stellen, den sie innerhalb der Öffnungszeiten für Diskussionen nutzen könnten. Die Studierenden lehnten das ab und forderten unter anderem rund um die Uhr freien Zugang zur Silberlaube und zu den Toiletten im Untergeschoss. Kritisiert wurde das Vorgehen, sich einerseits teilweise solidarisch zu erklären und andererseits mit dem Hausrecht zu drohen. Sie wehrten sich außerdem dagegen, „den Schwarzen Peter zugeschoben“ zu bekommen: Die Raumnot sei einer der Gründe, warum sie protestierten. Zudem fragten sie, was es mit den Gerüchten auf sich habe, dass sich Zivilpolizisten auf dem Campus befänden. Der Vertreter des Präsidiums gab an, davon nichts zu wissen.

Auch später, als er in Begleitung von Zivilpolizisten wiederkam, sah er sich nicht imstande, darüber Auskunft zu geben, ob diese schon vorher dagewesen seien. Die Polizisten machten Anstalten, das Wort zu ergreifen, um die Studierenden über die Konsequenzen ihres Handelns aufzuklären; das Wort „Strafanzeige“ fiel. Das Plenum beschloss, die Polizei nicht anzuhören, da man sich nicht einschüchtern lassen wolle und stattdessen selbst einen Workshop „Rechtsberatung“ anzubieten.

Als gegen 23 Uhr Sirenen erklangen, war die Zahl der Studierenden im Seminarzentrum schätzungweise von 40 auf 80 angewachsen. Einige verließen die Räumlichkeiten auf Aufforderung der Polizei freiwillig, ca. 50 Protestierende ließen sich durch das Mensafoyer von den Beamten hinaustragen. Laut Berichten von Beteiligten haben die Polizeibeamten dabei versucht, ihren eigenen Rücken zu schonen. Sobald sie außer Sichtweite der Sitzstreikenden waren, hätten sie gefragt, ob man jetzt nicht auch laufen könne, die Show sei ja nun vorbei. „Scheiße, schon wieder nicht geklappt!“, habe ein Polizist gesagt, als sie sich weigerte, berichtete eine Studentin amüsiert.

Vor dem Seminarzentrum kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Studierenden, die ziemlich rabiat vom Eingang weggedrängt wurden. Gegen 0.15 Uhr war der Einsatz, an dem 140 Polizistinnen und Polizisten beteiligt waren, beendet. Alle Studierenden, die das Seminarzentrum nicht freiwillig verlassen hatten, wurden wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Unterbrochene Lebensläufe

Am Freitag eröffnete die Amnesty International Hochschulgruppe die Ausstellung „Interrupted Lives: Portraits of Student Repression in Iran“ im Henry Ford Bau. Sie zeigt Gesichter, wo wir sonst nur Nachrichten sehen. Von Margarethe Gallersdörfer.  » weiterlesen