Unterbrochene Lebensläufe | FURIOS Online
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Unterbrochene Lebensläufe

Am Freitag eröffnete die Amnesty International Hochschulgruppe die Ausstellung „Interrupted Lives: Portraits of Student Repression in Iran“ im Henry Ford Bau. Sie zeigt Gesichter, wo wir sonst nur Nachrichten sehen. Von Margarethe Gallersdörfer.

Foto: Cora-Mae Gregorschewski

In Iran gehören Peitschenhiebe immer noch zum Bestrafungsrepertoire: Das ist erst mal nicht mehr als eine Information. Die neue Ausstellung „Interrupted Lives: Portraits of Student Repression in Iran“, die am Freitagabend im Henry-Ford-Bau eröffnet wurde, zeigt die bestürzende Realität dahinter. Auf den 15 Exponaten werden Einzelschicksale aus der iranischen Studierendenschaft ab 1979 dargestellt: Menschenrechtsaktivist/innen, Marxist/innen, Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten. Für das Vergehen, ihren eigenen Kopf zu haben, sind sie von der Uni suspendiert, verhaftet, gezüchtigt, manchmal ermordet worden. „Interrupted Lives“ nimmt den Daten und Fakten ihre Anonymität. Und plötzlich sind die 74 Peitschenhiebe mit dem Gesicht des Studenten Arash Sadeqi verbunden und werden zu einer unerträglichen Vorstellung.

Die Amnesty International Hochschulgruppe der FU-Berlin hat die Ausstellung aus den USA nach Deutschland in den Henry-Ford-Bau geholt. FU-Studentin Paniz Musawi ist die Koordinatorin. Finanziell unterstützt wurde die Hochschulgruppe von der amerikanischen Abdorrahman Boroumand Foundation, deren Leiterin Ladan Boroumand bei der Vernissage am vergangenen Freitag anwesend war. Ihr Vater, dem die Stiftung gewidmet ist, setzte sich für die Demokratisierung seines Heimatlandes ein und wurde 1991 in Paris ermordet, vermutlich von iranischen Agenten.

Boroumand hielt eine eindringliche Rede, in der sie ihre und die Motivation ihrer Schwester beschrieb, das Werk ihres Vaters fortzuführen: Der Einsatz für Demokratie und Menschenrechte im Iran durch Bildung und Verbreitung von Informationen. Die Arbeit der Stiftung besteht hauptsächlich in der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen im Iran. Auf ihrer Website  wird die Erinnerung an Opfer des islamischen Regimes am Leben erhalten: durch die Schilderung ihres „Verbrechens“, aber auch durch Erinnerungen von Freunden und Familie. Über die Jahre wurde aus dieser Sammlung die Datenbank Omid (Hoffnung), aus deren Archiv auch die Geschichten dieser Ausstellung stammen. Boroumand betonte, es sei lebenswichtig für die verfolgten und unterdrückten Studierenden, dass die internationale Gemeinschaft die Vorgänge im Iran aufmerksam beobachte und sich mit ihnen solidarisiere.

Montag bis Freitag, 14.-18. November, kann man sich die Ausstellung im Foyer des Henry-Ford-Baus ansehen. Die Zeit zwischen zwei Vorlesungen reicht aus, um sich einen guten Eindruck zu verschaffen. Die Exponate sind auf Englisch beschriftet, deutsche Übersetzungen liegen aus.

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