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Drittmittel killed the Eigeninitiative

Drittmittel musste einwerben, dann biste was. Nur schade, wenn dabei eine erfolgreiche studentische Initiative abgedrängt wird. Von Filip Tuma.

Illustration: Filip Tuma

„Wir sind immer noch alle Nerds.“ Die Informatik-Studenten des Spline-Projekts bewahren sich ihren Humor, obwohl ihre Zukunft gerade auf wackligen Beinen steht. Vor elf Jahren wurde Spline von Studenten als eigenverantwortliches Projekt gegründet. Das griffige Kürzel steht für Studentisches Projekt Linux Netzwerk. Hier können angehende Informatiker die Theorie in die Praxis umsetzen: einen eigenen Server-Park betreiben und gemeinsam freie Software-Projekte verfolgen. Zahlreiche Dienste hat die Gruppe eingerichtet, die unter anderem von Dozenten des Fachbereichs genutzt werden, wie zum Beispiel Mailinglisten und Foren für Seminar-Unterlagen, oder eine Plattform für studentisch organisierte Vorlesungen. Auch dieses Campusmagazin hat auf den Spline-Servern ein Zuhause gefunden.

Wenn man sich am Institut umhört, findet eigentlich jeder Spline gut. Studentisches Engagement ist schließlich ein wichtiges Merkmal einer lebendigen Campuskultur. Geld kostet es die FU nicht, Material und Hardware sammeln die Studenten aus Spenden und Altbeständen zusammen, auch aus eigener Tasche wird mal eine Festplatte draufgelegt. Das Einzige, was die Uni stellen muss, ist ein Arbeitsraum und etwas Platz für die Server.

Das Spline-Projekt hat nun einen großen Dämpfer erfahren. Wie die Fachbereichs-Verwaltung mitteilte, muss der Spline-Arbeitsraum im Informatik-Hauptgebäude in der Takustraße in Kürze geräumt werden: Vier Mitarbeiter eines Forschungsprojekts, das aus Drittmitteln finanziert wird, müssen untergebracht werden. Und im Fachbereich herrscht chronische Raumnot. Die Splinees haben sofort die Save-Spline-Initiative formiert. Sie haben Verhandlungen mit der Verwaltung aufgenommen. Keinen festen Arbeitsraum zu haben, würde das Fortbestehen des Projekts in Frage stellen. Bei der öffentlich zugänglichen Spline-Besprechung am Mittwoch Abend wurde entsprechend intensiv debattiert, welche Schritte zu unternehmen seien.

„Es kann sein, dass Spline ein Jahr lang keinen Raum haben wird, bevor sich eine neue Möglichkeit auftut“, sagt Studiendekan Lutz Prechelt. Die Ressourcen seien knapp. Und die arbeitsrechtliche Verpflichtung, jedem Mitarbeiter mindestens acht Quadratmeter zuzuweisen, müsse ohnehin schon oft gedehnt werden. Den Konflikt sieht er insofern nicht so sehr in der Abwägung zwischen Drittmittel-Projekten und studentischen Initiativen, sondern zwischen den Splinees und den restlichen Studenten. „Wir haben hier 1000 Studenten, aber nur 100 Plätze, wo sie ihren Hintern draufsetzen können“ sagt Prechelt. Es habe Abwägungen gegeben, welcher Raum am wenigsten ausgelastet sei. Dabei habe der Spline-Raum weniger gut abgeschnitten als andere studentische Arbeitsräume, die intensiver genutzt würden. Insofern sei der Spline-Raum als Luxus einzustufen.

Es drängt sich die Frage auf, ob eigenverantwortliche Studentenprojekte an der Freien Universität im Allgemeinen als Luxus betrachtet werden, der dem Sparzwang geopfert werden kann. Studentenprojekte wie Spline sind zwar schwer statistisch zu bewerten, weshalb sie für Uni-Rankings kaum Relevanz haben. Ihre tatsächliche Bedeutung für den Campus sollte aber nicht unterschätzt werden, da sie helfen die Anonymität einer Massenuniversität zu durchbrechen und den Studenten einen Rahmen geben, ihre Fähigkeiten einzubringen. Ein Anspruch von Exzellenz scheint schwer zu vereinbaren mit einer Campus-Politik, die das studentische Engagement hemmt. Laut Prechelt sei das letzte Wort in der Spline-Frage allerdings noch nicht gesprochen. Man bemühe sich, für die neuen Mitarbeiter einen anderen Raum zu finden.

Auch die Splinees suchen vorerst nicht die direkte Konfrontation, sondern zeigen sich gesprächsbereit. Ebenso wie die Verwaltung haben sie sich auf die Suche nach ungenutzten Räumen begeben und sind möglicherweise schon fündig geworden. Zum Umzug erklären sie sich grundsätzlich bereit, auch wenn der jetzige Standort direkt neben der Cafeteria unleugbare Vorteile bietet. Sollten aber alle Verhandlungen zu nichts führen, behalten sie sich vor, den Protest auszudehnen. Potenzielle Unterstützer stehen schon in den Startlöchern. Die Uni-Verwaltung dürfte dann bald genug die Botschaft vernehmen: Wir sind alle Nerds.

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