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Der Student als Stichprobe

Wieder einmal durften Studierende in einer Umfrage ihre Meinung zum Studium abgeben. Die Autoren der Studie nennen die Ergebnisse „überraschend und alarmierend zugleich“. Ein Kommentar von Max Krause.

Alle paar Monate passiert es wieder: Die Ergebnisse einer Umfrage werden vorgestellt, die der Frage nachgehen sollte, wie zufrieden Studierenden mit ihren Studienbedingungen sind. Die Erkenntnisse sind, ob der Vielschichtigkeit des Untersuchungsgegenstands, nie eindeutig. Zumeist sehen sich sowohl die zuständigen Politiker, als auch ihre Kritiker in ihrem Kurs bestätigt. Nach kurzer Aufregung legt sich der Staub – bis zur nächsten Studie.

Diesmal ist es das renommierte Allensbach-Institut, das die Studie durchgeführt hat. Auch diesmal sind die Ergebnisse zugleich „überraschend“ und „besorgniserregend“. Befragt wurden knapp 3000 Studierende aus ganz Deutschland. Das angeblich überraschende Ergebnis: Die Studierenden sind mit den Studienbedingungen im Großen und Ganzen zufrieden. Tatsächlich ist das kein Wunder, schließlich wird, wer unzufrieden mit seinem Studium ist, dieses in vielen Fällen auch abbrechen. Studienabbrecher wurden allerdings nicht befragt. Das ist ein bisschen so, als würde man nur CDU-Mitglieder nach ihrer Zufriedenheit mit der CDU fragen – zwar auch interessant, aber nicht zu verallgemeinern.

Spannender sind da doch andere Ergebnisse der Umfrage: So erwarten über 40 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der Studienbedingungen in den nächsten Jahren. Das sollte sich die Politik als Alarmsignal nehmen, anstatt darauf zu verweisen, dass die meisten schon recht zufrieden seien. Als Verbesserungsmaßnahmen werden von den Befragten vor allem die Abschaffung der Studiengebühren und die Erhöhung des Universitätsbudgets genannt. Auch diese Vorschläge sind hinlänglich bekannt.

Außerdem untersucht die Studie ausführlich die Meinung der Studierenden zu Stipendien. Das dürfte vor allem für deren Initiator, das Reemstma Begabtenförderungswerk, interessant sein. Was herausgekommen ist, wundert wohl keinen Studenten, der sich schon einmal um ein Stipendium bemüht hat: Es ist schwierig, an Informationen zu kommen, und die Hemmschwelle, eine Bewerbung einzureichen, ist hoch. 

Eine besondere Gefahr sehen die Meinungsforscher darin, dass viele Studierende – gerade die mit besseren Leistungen – nach dem Studium im Ausland arbeiten wollen; befürchtet wird die Abwanderung von Fachkräften. Man möchte ihnen zurufen: Das ist das Ergebnis, wenn man uns jahrelang erzählt, ein Lebenslauf ohne Auslandsaufenthalt sei nichts wert. Deutschland wird nicht untergehen, weil ein paar kluge Köpfe mal etwas von der Welt sehen wollen. Beunruhigend sind vielmehr die Gründe, warum die Studenten ins Ausland wollen: Ganz oben stehen bessere Karriereaussichten. In der Auslandserfahrung vor allem an Sprungbrett für die eigenen Karriere sehen – eine traurige Einstellung.

 Was haben wir also gelernt? Wenig, was wir uns nicht schon gedacht hätten: Das Bologna-Chaos lässt langsam nach, die Studenten fühlen sich einigermaßen wohl an deutschen Hochschulen, machen aber vom Angebot weltweiter Bildungsmobilität gerne Gebrauch. Dann können wir uns wieder anderen Dingen zuwenden – bis zur nächsten Umfrage.

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