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Unternehmensfinanzierte Forschung ist nicht pauschal schlecht. Doch wo durch Geldgeber Ergebnisse gekauft oder zensiert werden, sollte man sich fragen: Ist das noch Wissenschaft? Ein Kommentar von Rebecca Ciesielski.

Hätten die Studierenden der Technischen Universität und der Humboldt Universität vor einigen Wochen in den Unifluren ein überdimensioniertes Josef-Ackermann-Konterfei entdeckt, dann hätte es sich hierbei wahrscheinlich nicht um einen gesellschaftskritischen Scherz gehandelt. In diesem Fall wäre es nur eine weitere Absurdität, resultierend aus der Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bank und den beiden Berliner Unis.

2006 wurde das „Quantitative Products Laboratory“, ein Institut für Angewandte Finanzmathematik, ins Leben gerufen, ausgestattet mit zwei „Deutsche-Bank-Stiftungsprofessuren“  und komplett durch den Konzern finanziert – mit drei Millionen Euro jährlich.  In diesem Monat läuft der Vertrag aus. Doch erst jetzt, kurz vor Beendigung des Projekts, wurde dessen Inhalt bekannt. Diese Form von Intransparenz hinterlässt einen üblen Nachgeschmack.

Aber ist es wissenschaftsethisch verwerflich, wenn sich Unternehmen finanziell an Forschungsbereichen beteiligen, deren inhaltliche Ausrichtungen für sie interessant sind? Kein wirkliches Problem ist erkennbar, wenn der Finanzier einer Universitätsbibliothek darauf besteht, dass diese nach ihm benannt wird. Das ist bei der Zentralbibliothek der Technischen Universität und der Universität der Künste der Fall, die den Autobauer Volkswagen  im Namen trägt. Das Problem entstünde erst, würde sich VW in die Auswahl der Bücher einmischen oder deren Inhalte mitbestimmen wollen.

Was sich nach einem reinen Gedankenspiel anhört, war bei den Abmachungen zwischen dem Konzern und den Hochschulen Realität. Nicht nur die Besetzung der Professorenstellen unterlag ausdrücklich dem „Einvernehmen der Deutschen Bank“, sogar der Standort des Instituts wurde im Vorfeld festgelegt. Dieser sollte sich „in räumlicher Nähe“ zu Einrichtungen des Finanzhauses befinden. Das kann man noch für legitim halten. Wirklich problematisch ist eine Klausel, die festlegt, dass Forschungsergebnisse nur publiziert werden dürfen, wenn „deren Veröffentlichung die Interessen der Deutschen Bank nicht berührt.“  Eine freie Verfügungsgewalt wird erst nach Ablauf von zwei Jahren gewährt.

 Spätestens hier muss man schlucken. Nicht nur, weil wissenschaftliche Freiheit in entscheidenden Bereichen beschnitten wird, sondern auch, weil es möglich ist den Begriff „Interessen“ in jede erdenkliche Richtung auszulegen. Welche Forschungsergebnisse die Interessen eines Unternehmens berühren könnten, das laut der Organisation Facing Finance unter anderem in Geschäfte mit libyschen Streubomben involviert sein soll, kann man sich leicht vorstellen.

Vor sechs Jahren sorgte eine Studie eines schwedischen Forscherteams für Schlagzeilen, welche die Unschädlichkeit von Passivrauchen belegen sollte. Finanziert, um nicht zu sagen gekauft, wurde die Gruppe vom US-amerikanischen Tabakkonzern Philip Morris.

Die grundsätzliche Frage, die durch dieses Beispiel erneut in die Diskussion gebracht wurde ist nicht, ob im „Quantitative Products Laboratory“ die Forschungsintegrität verletzt wurde. Studierende des Instituts bestreiten das. Die Frage ist, was wir mittlerweile meinen, wenn wir von „Wissenschaft“ oder „Forschung“ sprechen. Können wir noch guten Gewissens davon ausgehen, dass Universitäten  für unabhängige Grundlagenforschung und für vorurteilsfreies Erkenntnisinteresse stehen?

Selbst wenn man davon absieht, ausschließlich gekaufte Ergebnisse zu verurteilen, sollte man die Verflechtung von Wirtschaft und Wissenschaft mit grundsätzlicher Skepsis betrachten und sich darüber im Klaren werden, welcher Form der „wissenschaftlichen“ Arbeit man dieses Prädikat noch zuteilwerden lassen möchte.

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