BlaBlaBla neben Brecht und Büchner | FURIOS Online
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BlaBlaBla neben Brecht und Büchner

Der Buchbestand der Universitätsbibliothek hat einige Kuriositäten zu bieten. Eine Ausstellung zeigt die schönsten davon. Von Charlotte Johann.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“, schrieb Heinrich Heine einmal im goldenen Zeitalter des Humanismus. Unklar ist, ob er damit die Größe oder die Bedeutung der Bücherwelt meinte. Von der Größe können die Bibliothekare und Bibliothekarinnen der Freien Universität  ein Lied singen.

Über 8,5 Millionen Bücher beherbergen die Bibliotheken der FU. Doch wie eine Ausstellung der Universitätsbibliothek (UB) nun zeigt, ist es mit ihrem geistigen Gehalt nicht immer so weit her. In den Magazinen finden sich neben den Werken der Großen und Wichtigen auch Titel wie „Denise – Romane aus deiner Welt“, „Hallo Computer, ich suche einen Freund“ oder schlicht „BlaBlaBla“. Wie kommt solche Trivialliteratur in den ehrbaren Hallen einer deutschen Eliteuniversität?

Im Jahr 1952 wurde die UB durch eine Vereinbarung mit der Berliner Verleger- und Buchhändlervereinigung  verpflichtet, ein Exemplar jedes in Berlin erschienen Buches zu archivieren. „Zwischen 1965 und 1990 erfüllte die UB diese Aufgabe für West-Berlin“, erklärt Heike Thomas Mitinitiatorin der Ausstellung. 1995 übernahm dann die Berliner Stadt- und Landesbibliothek die Archivierung der Pflichtexemplare. Alles jedoch, was Berliner Verlagswesen bis zu diesem Zeitpunkt hervorbrachte, landete in den Dahlemer Magazinen und befindet sich dort noch immer.

Comics und Buchkunst

Neben den vielen unscheinbaren Buchdeckeln finden sich immer wieder wahre Schätze und Kuriositäten: Spiderman-Comics, Werke des Karikaturisten Gerhard Seyfried oder des Satirikers Ephraim Kishon; daneben Comics über das Leben im Berlin der Sechzigerjahre („CheSchahShit – die Sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow“) und Buchkunst, die mehr auf das Ästhetische als auf den Inhalt ausgerichtet ist. Die Denise-Romane hätten sie gleich Kistenweise ausgegraben, so Heike Thomas.

Ihrer Kollegin Martina Gesch fielen die seltsamen Titel beim Katalogisieren auf. Sie kam auf die Idee, daraus eine Ausstellungen zu machen. Gemeinsam mit Thomas sammelten sie über Monate alles, was ihr ins Auge stach, durchforsteten die Kataloge gezielt nach Verlagen und Autoren und machten Kollegen auf die kuriosen Relikte des Berliner Buchmarktes aufmerksam. „Es war einfach ein großer Spaß“, sagt Heike Thomas und schmunzelt dabei über das ganze Gesicht.

Wem also im Lesesaal der intellektuelle Atem ausgeht, der kann sich einfach einen Landarzt-Roman aus dem Magazin bestellen, und braucht dafür nicht mehr Geld am Kiosk auszugeben. Die Ausstellung ist im ersten Stock der Universitätsbibliothek noch bis nächste Woche zu sehen. Dann sollen die Kuriositäten sollen etwas Anderem weichen. Etwas Ernsthafterem.

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