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Frischer musikalischer Wind und das Ende einer Ära an der FU

Die Mitglieder des Collegium Musicum haben ihre neue Leiterin gewählt. Vincent Novak war bei der Neuwahl dabei und berichtet über das Ende und den Beginn einer musikalischen Ära


Donka Miteva. Foto: Benjamin Jankovic

Nach einem aufregenden Wochenende stand am frühen Abend des 8. Mai fest: ab dem kommenden Wintersemester wird Donka Miteva die Leitung des Collegium Musicum der FU und TU Berlin übernehmen (die offizielle Bestätigung seitens der Universitätsleitungen steht noch aus). Die junge, aus Bulgarien stammende Dirigentin ist derzeit noch als Chordirektorin am münsterschen Stadttheater beschäftigt. Ab Oktober 2011 wird sie dann die musikalische Verantwortung für alle vier klassischen Ensembles des CM übernehmen: das Sinfonieorchester, der Große Chor, das Kleine Sinfonische Orchester und der Kammerchor.

Vor der endgültigen Wahlentscheidung gab es einen zweitägigen Dirigier-Marathon – für die sechs Kandidaten ebenso wie für die Mitglieder der einzelnen Ensembles. Die Bewerber standen vor der Herausforderung, jedes der vier Ensembles überzeugen und ein möglichst gutes Gesamtbild abgeben zu müssen. Keine leichte Aufgabe. Mit kritischen, aber wohlwollenden Blicken wurden die Kandidaten der Prüfung der Musizierenden unterzogen. Als Mitglied des CM galt es, aufmerksam und vor allem anwesend zu sein. Schließlich durften nur die abstimmen, die alle sechs Kandidaten in Augenschein genommen hatten.

Am Sonntag Nachmittag war es dann soweit: die Wahlurnen wurden geöffnet. Das von Studenten selbst entwickelte Wahlverfahren konnte beginnen. Dass die Abstimmung nicht einfach werden würde, war bereits absehbar. Wochenlang wurde im Voraus über die Details des komplizierten Ablaufs unterrichtet. Grundsätzlich ist das Verfahren auf die einstimmige Einigung aller Ensembles auf einen Kandidaten ausgelegt. Dafür ist es notwendig, dass ein Kandidat gleichzeitig in allen vier Ensembles die Nase vorn hat: im ersten Wahlgang ist eine 2/3 Mehrheit erforderlich, im zweiten eine 50%-ige und im dritten schließlich eine 1/3 Mehrheit. Bis zum Schluss hatten selbst die Mitglieder des zuständigen Gremiums den Ablauf dieses Verfahrens nicht ganz durchdrungen. Dies zeigte sich spätestens nach dem dritten Wahlgang, der aufgrund von Unstimmigkeiten wiederholt werden musste.

Mit Donka Miteva setzte sich schließlich die konsensfähigste Kandidatin durch. Ein Kompromiss also, der den unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Ensembles am ehesten gerecht wird. Gleichzeitig war Miteva die jüngste Kandidatin und einzige Frau im Bewerberfeld. Ob sie der Aufgabe gewachsen ist, wird sich im Verlauf der kommenden Semester zeigen. Fest steht aber, dass sie frischen Wind in das Collegium Musicum bringen wird. Denn seit 1989 – über 20 Jahren also – lenkt Manfred Fabricius die musikalischen Geschicke des CM. Der Wechsel in der Leitung bedeutet also das Ende einer Ära und den Abschluss eines Lebenswerkes.

Unter Manfred Fabricius entwickelte sich das CM zu einer festen Größe in der universitären Musiklandschaft Berlins. Ensembles wie das Kleine Sinfonische Orchester und der Kammerchor entstanden erst unter seiner Leitung. Mit seiner Leidenschaft für die Musik und seinen herausragenden Fähigkeiten als Leiter und Dirigent begeisterte er Studierende wie Konzertbesucher. Das belegen nicht zuletzt die regelmäßig ausverkauften Abschlusskonzerte im Großen Saal der Berliner Philharmonie.

Um Manfred Fabricius einen würdigen Abschied zu bereiten, werden sich alle Ensembles des CM (die Bigband ausgenommen) am Ende dieses Semesters – genauer am 01. und 02. Juli – in der Philharmonie zu zwei großen Abschlusskonzerten versammeln, die den perfekten Rahmen für einen emotionalen Ausklang bieten werden.

Ein Kommentar

  • Nur die durften abstimmen, die sich auch wirklich alle Kandidaten angesehen hatten? Das klingt doch nach einem Wahlprinzip, das man auf andere Bereiche übertragen sollte…

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