Organisieren geht über Studieren | FURIOS Online
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Organisieren geht über Studieren

Die inhaltliche Bewältigung eines Bachelor-Studiums ist vielleicht zu bewältigen, aber der organisatorische Aufwand berechtigt bald die Einstellung einer Sekretärin und schreit nach Entbürokratisierung, meint Jonna Lüers.

Bereits der erste Kontakt mit den Formalitäten der FU ist mir in lebendiger Erinnerung geblieben. Immerhin begann mit dem Ausfüllen des Online-Anmeldeformulars ein neuer Lebensabschnitt – der Beginn des legendären und lang ersehnten Studentenlebens!  Dass man, um offiziell Teil dieses Studentenlebens sein zu können, zunächst Datenmengen und sogar Kfz-Kennzeichen aneinanderreihen muss, verwirrte mich zwar, doch die Vorfreude auf das freie Leben an der freien Uni blieb ungebrochen!

Keine Zeit für Zeitmanagement

Die große universitäre Bürokratiekrise kam mit dem Zusammenstellen des Stundenplans – es dämmerte mir, dass Formalitäten nicht nur eine Nebenrolle im Studium spielen würden. Habe ich mich nicht bewusst gegen ein Jurastudium entschieden? Jetzt arbeite ich mich zu Beginn jeden Semesters durch die Paragraphen meiner drei Studienordnungen, um am Ende verzweifelt festzustellen, dass sich die verpflichtenden Vorlesungen zeitlich überschneiden. Organisieren geht über Studieren – dieser Eindruck verfestigt sich während der Vorlesungszeit. Während ich mich langsam mit Blackboard anfreunde, entscheiden sich meine DozentInnen fürs Ignorieren dieses Systems und gehen ihre individuellen Wege. Die Folge ist, dass ich, statt Fachbegriffe fürs Studium zu lernen, immer noch verzweifelt versuche, die Passwörter der zahlreichen Onlineplattformen im Kopf zu behalten.

Chaos als politisches Statement

Eine Wissenschaft für sich, stellt auch das Finden der Gebäude an der FU dar. Mit dem Stadtplan bewaffnet und auf der Suche nach den richtigen Villen kenne ich mich in Dahlem mittlerweile besser aus, als in meinem Heimatstadtteil. Dafür suche ich immer noch die Logik hinter der Raumverteilung – nicht allen Kommilitonen muss ich so nahe kommen, wie es die überfüllten Vorlesungssäle erzwingen und, dass Veranstaltungen des Studienbereichs Judaistik auch am Institut für Islamwissenschaften stattfinden, mag eine schöne politische Aussagekraft haben, vereinfacht wird die Orientierung dadurch jedoch nicht.

Die Freie Universität sollte ihrem Namen eine größere Ehre erweisen. Ich wünsche mir lautere Stimmen für ein selbstbestimmtes Studium und einen konsequenten Abbau an Bürokratie. Eine einheitliche, datenrechtlich besser gesicherte Onlineplattform, freiere Prüfungsordnungen und nachvollziehbare Raumeinteilungen wären ein guter Anfang und würden wertvolle studentische Nerven erhalten. Auch ich bin bereit, den Organisationsanforderungen der FU entgegenzukommen. Hochmotiviert plante ich dieses Semester die Kurse Organisations- und Zeitmanagement zu belegen – die Umsetzung scheiterte an der zeitlichen Überschneidung!

7 Kommentare

  • wenn die furios mal wieder einen ihrer gefürchteten kommentare pfeffert, dann sollte man sich warm anziehen: weiche wollsöckchen und eine mollige schlafmütze.
    – oder besser gleich lauwarm baden wie jonna lüers. bei so vielen fachbegriffen und passwörtern kann es nämlich schon mal schwer fallen, „wertvolle stu­den­ti­sche Ner­ven“ zu behalten.
    dank furiosem kommentar wissen wir: weder bolognareform oder exzellenzinitiative, noch leistungsvorgaben durch den senat sind das übel! es sind die bösen dozenten, die sich einfach trauen „ihre individuellen wege“ zu gehen – womöglich ohne stadtplan!? das würde einer furiosen schwalltasche natürlich nicht im traum einfallen, die sich lieber gleich „zu Beginn jeden Semes­ters durch die Para­gra­phen“ von „drei Stu­di­en­ord­nun­gen“ ackert und via furios schwer konsenshaft einen „konsequenten abbau an bürokratie“ und „nachvollziehbarere raumeinteilungen“ fordert. schwadronieren geht halt vor kapieren.
    jürgen zöllner würde sich vor lachen den bauch halten. wenn er es denn lesen würde.
    viel spaß noch beim bewältigen von bewältigungen… äh „studieren“.

  • was für ein bombenkommentar von „näppisch“! richtig gut. selbstbestimmtes studieren kann nämlich auch im eigenen kopf beginnen. Aus CM ausloggen, sich einfach mal mit vorlesungsverzeichnis hinsetzen, und gemütlich schauen, was man im semester denn gerne machen würde und nicht machen müsste. das empfehle ich allen mal, anstatt in der ersten semesterwoche panische anrufe zu tätigen, weil irgendwas irgendwo nicht buchbar ist.

  • Mit welcher Gemeinheit und Unverständnis hier die Probleme, die man beim Studieren haben kann, kommentiert werden, ist wirklich unfassbar. Zudem ist der Vorschlag von „punktlandung“ ausgesprochen dumm. Dazu ist zum Beispiel unter folgender Adresse zu finden:

    http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we01/studieren/lehre/vorlesungsverzeichnis/index.html

    „Vorlesungsverzeichnis der FU Berlin

    Bitte stellen Sie sich Ihren Studienplan immer nach dem Online-Vorlesungsverzeichnis zusammen und verlassen Sie sich nicht auf die gedruckten Fassungen oder die Aushänge im Institut. Nur das Online-VV wird ständig aktualisiert und enthält kurzfristige Absagen oder Neuanmeldungen von Lehrveranstaltungen, Raumänderungen usw., die aufgrund des frühen Redaktionsschlusses in den gedruckten Fassungen nicht berücksichtigt werden können.“

    Mich erschreckt auch sehr die Unsensibilität gegenüber Erstsemsterlern oder Menschen mit Schwierigkeiten auf gewissen Gebieten. „Punktlandung“ scheint offenbar gleich am ersten Tag alles richtig gemacht und gewusst zu haben. Rechthaberischer geht es kaum noch. Anstatt Hilfe hagelt es hier Schelte.

    Im Bachelor/Master Studiengang von „selbstbestimmtes studieren“ zu sprechen, gibt mir ein Rätsel auf. Der BCM steht sehr in der Kritik und plötzlich will uns jemand glauben machen, dass man in dem doch noch sehr gut studieren kann. Was bedeutet diese esoterische Wortschöpfung darüber hinaus noch? Ich kann mir einzig meine Kurse selbst zusammenstellen…toll! Klausuren, Studieninhalte, Prüfungen und alle Termine und Uhrzeiten sind nach wie vor Fremdbestimmt. Was meint also „selbstbestimmtes studieren“?

    Vielleicht solltest Du dich einfach einmal in die Probleme anderer Menschen hineindenken als Deine Denkungsart auf andere zu projizieren.

  • Sag mal, näppisch: Hast du mal Bock einen Gastkommentar für uns zu verfassen? Freie Themenwahl!
    Ein gewisses spachliches Talent schimmert ja bei dir durchaus durch. Müsstest dich allerdings zu erkennen geben.
    Unter uns: ist ja auch viel respektabler. Mit Synonym durch die Kommentarfäden des www zu irrlichtern kann doch jeder Feierabend-Philopsoph.

  • Selbstbestimme Klausuren? Ich hab das Gefühl, dass manche unter „selbstbestimmten studieren“ immer so was wie Anarchie verstehen. Habt ihr denn ernsthaft geglaubt, ihr würdet an der Uni nur tun, was euch gefällt? Das ist NIE so gewesen. Vor 50 Jahren nicht, vor 100 Jahren nicht, vor 200 Jahren nicht und auch davor nicht.

    Ich bin jetzt mal provokant und sage: Dafür ist das Doktorstudium da, vielleicht noch im neuen System das Masterstudium. Um selbst bestimmen zu können, muss man sich auch auskennen und mit den Freiheiten umgehen können. Deswegen gibt’s ja auch die Volljährigkeit. Der Bachelor ist halt die Volljährigkeit im akademischen Leben.

  • liebe irma.
    ich bin jetzt mal provokant:
    du erzählst käse.
    man konnte an der uni tatsächlich mal tun und lassen, was einem gefällt.
    aber schön, dass du auch ohne selbstbestimmte klausuren und anarchie im fach freiheit deine volljährigkeit erreicht hast.

  • „man konnte an der uni tat­säch­lich mal tun und las­sen, was einem gefällt.“ Wann?

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