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Potential für’s ganze Jahr

Die Winterchaos bei der S-Bahn scheint zur festen Institution zu werden. Die peinliche Feilscherei um die Entschädigungen muss aber ein Ende haben, meint Hendrik Pauli.

Bei manch einem machte sich Verwunderung breit, als Mitte Januar die Rückmeldeunterlagen im Briefkasten lagen. 272,70 Euro an Gebühren sollte jeder Student für das Sommersemester berappen. Waren es für das Wintersemester nicht knapp 60 Euro weniger gewesen?

Genau genommen handelt es sich bei dem sprunghaften Anstieg des Semesterbeitrags um ein wetterbedingtes Phänomen. Dem Winterchaos bei der S-Bahn folgt das Gebührenchaos an der FU. Der größte Teil des Gesamtbetrags, 168 Euro nämlich, entfallen auf das Semesterticket. Damit ist man dann sechs Monate lang König bei jeder Fahrscheinkontrolle. Ein König auch, auf dessen Verbindung Richtung Dahlem in den letzten Monaten Verlass war. Viele wollten sich schon aus Verzweiflung auf die Schienen stürzen, allein es kam kein Zug.

Salami-Taktik

Mindestens genauso ärgerlich wie vereiste Weichen und gebrochene Achsen bei der S-Bahn, sind die Verhandlungen über Regressansprüche. Denn die sind mittlerweile ein Ganzjahresthema. Die Deutsche-Bahn-Tochter macht zwar Geld locker – aber dabei keine gute Figur. Für die Pannen des vergangenen Winters gab es nachträglich einen Scheck über ein Sechstel des Semestertickets und dann nochmal freie Fahrt für November und Dezember.  So kam der vermeintlich günstige Beitrag von 213,70 Euro für das Wintersemester zustande. Die Semesterticketbüros der Berliner Unis haben also gute Arbeit geleistet. Die Studierenden erhalten Geld zurück. Wo liegt also das Problem?

Die S-Bahn verfährt nach bewährter Salami-Taktik. Zugeständnisse gibt es nur dort, wo es sich nicht vermeiden lässt, und dann auch nur rückwirkend. Damit lässt sich das Unternehmen eine Leistung vergüten, die es nicht erbringt. Die Studierenden müssen erstmal zahlen – das Chaos gibt es dann gratis. Die Verantwortlichen ficht das nicht an. Sie folgen dem Prinzip des längeren Hebels. Die Erstattungsmodalitäten verdienen das Prädikat „unbefriedigend“, wenn nicht sogar „schamlos“.

Wer im laufenden Wintersemester nicht mehr eingeschrieben ist, erhält schlichtweg keine Entschädigung mehr. Die S-Bahn gibt den Stichtag vor. Basta! Dazu besitzen die Verhandlungsführer die Chuzpe, diese Regelung selbst als unfair zu bezeichnen. Studierende der Charité müssen auf ihre Rückerstattung bis zum Sommersemester warten, wegen organisatorischer Überschneidungen. Dazu gab es weitere Ausnahmen, die nur auf Antrag behandelt wurden. Wohlgemerkt, es geht immer noch um einen Ausgleich für das Winterchaos 09/10.

Kundenfreundliche Dienstleistung

Wie immer die Prognosen auch aussehen mögen, ob es nun 2011 winterfeste Züge geben oder ob der nächste Winter herbstlich milde daher kommen wird: S-Bahn und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg als weiterer Vertragspartner müssen endlich in Vorleistung treten, und zwar schnell und unbürokratisch. Immerhin gehört ihr Geschäftsfeld zum sogenannten Dienstleitungssektor. Kundenfreundlichkeit und Kulanz sollten in dieser Branche immer noch als ernstzunehmende Bezugsgrößen gelten.

Mehr als ein Drittel der FU-Pendler sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Keine andere Berliner Bevölkerungsgruppe nutzt den ÖPNV so oft wie die Studierenden. Ob für diesen Winter Forderungen seitens der Studierendenvertretungen erhoben werden und wie diese aussehen könnten ist bisher nicht bekannt. Den Rabatt für das laufende Semester hat der AStA zurecht als eigenen Erfolg verkauft – mit einer Pressemitteilung im November. Es wäre schön, wenn aus dem Semesterticketbüro etwas über den Stand der Dinge an die Öffentlichkeit dringen würde.

Unabhängig davon ist es schlechterdings inakzeptabel, jedes Jahr aufs Neue zäh um Minimalentschädigung ringen zu müssen. Denn freie Bildung bedeutet auch und vor allem eines: freie Mobilität.

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