„Fahren Sie auch nach Steglitz?“ | FURIOS Online
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„Fahren Sie auch nach Steglitz?“

Psychoaktive Pflanzen, die Chemie der Currywurst und fußballspielende Roboter – Nils Ludwig war Busguide bei der 10. Langen Nacht der Wissenschaften. Ein schaukelnder Erfahrungsbericht.

Foto: Thomas Oberländer/LNdW

14:00 Uhr, gefühlte 30 °C im Schatten. Zunächst ist braves Abwandern der Stationen des Shuttlebusses, in dem ich heute als Tourguide dienen soll, angesagt. Danach überrascht mich ein Test zur Langen Nacht der Wissenschaften. Aufgrund meiner fehlenden Vorbereitung gehe ich natürlich ohne Prämie ins darauffolgende Briefing. Hier wartet eine Hiobsbotschaft auf mich: Nachdem bereits eine Busguide-Kollegin wegen einer Lebensmittelvergiftung ausgefallenen ist, ist nun auch eine zweite abgesprungen. Meine Hoffnungen auf Pausen schwinden. Also heißt es auf Vorrat Obst, Kekse und Flüssigkeiten zu sich zu nehmen, die freundlicherweise von unserer Teamleitung zur Verfügung gestellt werden.

16:30 Uhr. Wir werden den Bussen zugeteilt. Für jede der drei Sonderbuslinien (Blau, Pink und Grün) gibt es jeweils fünf Minibusse, welche Platz für ungefähr zwölf Fahrgäste haben. Mein Busfahrer erweist sich als der beste Busfahrer in ganz Berlin. Er erzählt mir von seinem Sohn und sorgt sich um mein Wohlbefinden, nachdem ich vier Stunden ohne etwas zu trinken geredet hatte. Wir reden zwischendrin über Gott und die Welt und geduldig hält er mit mir auch nachts noch an jeder der auf unserer Karte verzeichneten Haltestellen.

17:00 Uhr. Offizieller Beginn der Langen Nacht der Wissenschaften. Ich stelle mich auf anstürmende Menschenmassen ein. Was passiert? Immerhin zwei Passagiere steigen ein. Auch gut, so bleibt mehr Zeit, um die Veranstaltungen der einzelnen Institute zu erklären und den Busfahrer mit der Route vertraut zu machen.

Highlights der 30 minütigen Tour sind die Herstellung von Speiseeis mit flüssigen Stickstoff im Fachbereich Physik und das Team fußballspielender Roboter des Informatik-Institutes. Auch die Führung durch den botanischen Garten zu psychoaktiven Pflanzen und die Analyse zu Musik in Woody-Allen-Filmen am Institut für Theaterwissenschaften klingen spannend.

Als ein Publikumsmagnet entpuppt sich das Institut für Prähistorische Archäologie. Dort kann man unter anderem in den Genuss von Brot, gebacken im Steinzeitofen, kommen. Die Kinder interessieren sich allerdings mehr für den Kampf mit Plastikschwertattrappen.

Letzter und alles überragender Höhepunkt meiner „blauen“ Tour ist das Institut der Chemie und Biochemie. Hier kann man Experimenten mit brennenden Seifenblasen und explodierendem Mehl und einem Vortrag zur faszinierenden Chemie der Currywurst mit anschließenden Würstchengrillen beiwohnen.

23:00 Uhr. Fahrgäste stellen keine Fragen mehr zu den Veranstaltungen, sondern nur noch danach, ob der Bus denn auch zur S-Bahn in Steglitz fährt. Langsam dämmert mir, dass wir zum Zubringer für die BVG- Haltestellen werden. Am liebsten würde ich den Bus verlassen und mir selbst so einiges ansehen, vor allem den Vortrag im Fachbereich der Rechtswissenschaft über spannende Fehlentscheidungen deutscher Gerichte. Doch die meisten Institute sind schon geschlossen, immerhin wird im meteorologischen Institut noch gegrillt. Statt mich mit Würstchen zu versorgen, drehe ich pflichtbewusst meine Runden im Bus, der ab 0.00 Uhr allerdings leer bleibt. Trotzdem ein ereignisreicher Einsatz, bei dem ich mir teilweise wie ein Marktschreier auf einem Volksfest vorkam. Nächstes Jahr wieder – dann aber lieber als Besucher!

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