Der Hummer bringt den Haushaltskummer | FURIOS Online
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Der Hummer bringt den Haushaltskummer

Während es überall an Mitteln fehlt, versenkte die FU seit 2003 über 1 Million Euro in einem Alumni-Verein in New York, der eigentlich Geld einbringen sollte. Ein Kommentar von Karl Hosang.

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das beste, was es gibt auf der Welt“, das wussten schon die Comedian Harmonists und das weiß man auch im FU-Präsidium, wo man stets bemüht ist innige Freundschaften zu knüpfen. Auch in Übersee wollte man eifrig Kontaktpflege betreiben und gründete zu diesem Zweck 2002 den gemeinnützigen Verein „Friends of FU Berlin“ samt Büro in New York City, mit dem Ziel, Spendengelder von Ehemaligen einzusammeln. Das klingt nicht nach wahrer Freundschaft? Das dachten sich wohl auch die Betreiber des Vereins, haben ihren Status als „Not-for-Profit-Association“ gleich allzu ernst genommen und lieber Geld ausgegeben als welches einzunehmen.

So flossen jährlich etwa 200.000 Euro in den Club, welcher sich eigentlich bald selbst tragen sollte. Die erhofften Einnahmen hingegen blieben leider aus. Eine verbriefte Spende über 600.000 Dollar kam von der Max-Kade-Stiftung für die Sanierung des Henry-Ford-Baus, doch diese Summe verschwand, wie die FU-Gelder auch, zwischen den eigenen Ausgaben. Letztlich mussten für die Sanierung Mittel des Universitätshaushalts dafür verbraucht werden.
Guten „Friends“ gegenüber darf man jedoch nicht geizig sein und fuhr weiterhin mit schicken Abendveranstaltungen in 5-Sterne-Hotels auf, auch Stars wie Christo und Jeanne-Claude wurden gebucht und zuletzt Räumlichkeiten für 50.000 Dollar gemietet. „Neben der jährlichen Fundraising-Gala zeigen wir Filme, wir führen Buchlesungen und Diskussionsveranstaltungen durch, demnächst auch eine Whiskeyprobe“, verkündete die Leiterin Helene Sostarich-Basariam berauscht.

„Es gibt seit vielen Jahren Absolventen von Oxford oder Cambridge, die in den USA leben und an ihre Alma Mater spenden, und wir machen das jetzt auch, mit Absolventen und Unterstützern „, frohlockte Sostarich-Basariam weiter und zeigt die Inspiration für die desaströse Story auf. Was Oxford und Cambridge können, das kann die FU Berlin auch.
Vielleicht fällt hier in Berlin aber auf, dass das Fehlen eines Vereins, der bei Ehemaligen hausieren geht, nicht der einzige Mangel ist und man erkennt darin womöglich einen Wink mit dem Champagnerglas für zweierlei Dinge: Erstens, dass solch eine Stelle gewisse Kompetenzen im Fundraising aufweisen sollte. Zweitens ist es bezeichnend, wenn die früheren Zöglinge die Gaben unterlassen und angesichts der Missachtung der studentischen Interessen zweifelhaft, ob diese Geschäftsidee in Zukunft allzu ertragreich sein wird.

Nun wird der Verein aufgelöst. Spannend bleibt, ob die FU auch noch auf den Kosten für die Abwicklung sitzen bleibt. Leider gibt es weder Einigkeit über die Schuldigen, noch waren die Geldflüsse nachvollziehbar, erklärt Ursula Lehmkuhl, bis Ende April noch Interims-Unipräsidentin. Sie möchte jedenfalls keine Nachlässigkeit von Seiten des ehemaligen Präsidenten Dieter Lenzen feststellen. Die FU betreibt nicht nur Betriebswirtschaft wo es nicht angebracht ist, sie hat nicht einmal Erfolg dabei. Eine Hochschule, die unter Lenzen zur „International Network University“ geadelt wurde, lässt sich davon natürlich nicht beirren und weiß, dass gute Beziehungen umso länger halten, wenn man sie bei Hummer und Champagner knüpft. Wohl bekomm’s!

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