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Herrscherin über 40 000

Die amtierende Präsidentin Lehmkuhl schickt ihren Kritiker Hajo Funke in den Ruhestand und macht damit viel kaputt. Ein Kommentar von Christina Peters.


„Wohlverdient“ gehörte wahrscheinlich nicht zu den Attributen, die Ursula Lehmkuhl für den Ruhestand einfielen, in den sie den Rechtsextremismusforscher Hajo Funke nach siebzehn Jahren als Professor für Politik und Kultur am OSI entließ. Den Antrag des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften auf eine eigenfinanzierte Verlängerung seiner Amtszeit, eine vom Präsidium bereits durch Mehrheitsbeschluss genehmigte Formalität, lehnte die Interimspräsidentin ab, indem sie die Richtlinienkompetenz ihres Amtes gegen alle demokratischen Gremien ausspielte. Die Rechtfertigung: Funkes angeblich mangelndes Interesse an Forschung und Drittmittelakquise. Dass sie damit einen der schärfsten Kritiker der obersten Führungszirkel der FU pünktlich vor der Präsidentenwahl von seinen Ämtern entbindet – ein misstrauischer Schelm, wer Böses dabei denkt.

Das überbeanspruchte Diktum, dass Vertrauen gut, Kontrolle aber besser sei, bestätigt sich in solchen Momenten. Man braucht dabei nicht über Lehmkuhls politisches Kalkül zu spekulieren. Es reicht, dass ihr Durchregieren mit der Eleganz eines Elefanten noch mehr Porzellan im angeschlagenen Verhältnis zwischen Präsidium und Restuniversität zerstört. Die Möglichkeit des Bruchs mit den Entscheidungen aller untergeordneten Gremien mag dem Präsidentenamt per Verfassung gegeben sein. Was zählt, ist die Praxis, in der ein Mindestmaß an Respekt für das ohnehin eingeschränkte demokratische Prinzip bestehen muss, damit das Miteinander an einer Universität mit fast 40 000 Angehörigen funktioniert. Man muss darauf vertrauen können, dass die Inhaberin des höchsten Amtes, wenn nicht aus persönlicher Überzeugung, so zumindest aus der Logik der Angemessenheit heraus keine autokratischen Alleingänge durchzieht.

Lehmkuhls Akt als Alleinherrscherin ist Verrat. Melodramatisch? Nur auf den ersten Blick. Die Causa Funke zeigt einmal mehr, dass Demokratie an der FU ein zahnloser Tiger ist, der unter der Willkür einer Übergangspräsidentin als Bettvorleger endet. Es gibt keine Kontrolle des umsichtigen Machtgebrauchs von ganz oben. Es gibt nur Vertrauen, auf das sowohl Studierende und Lehrende als auch Verwaltende angewiesen sind. Wer es für niedere Zwecke mit Füßen tritt, mag sich über den kurzfristigen Erfolg freuen. Das durch den Präzedenzfall verstärkte Misstrauen gegenüber einer übermächtigen Präsidentenfigur aber wird die politische Situation langfristig nur unangenehmer machen. Mag sein, dass Lehmkuhl dann aus ihrem eigenen wohlverdienten Ruhestand feststellen wird, auch ihrem Wunschkandidaten mit diesem Schachzug höchstens einen Bärendienst erwiesen zu haben.

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