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Doppelt hält besser

Die Fachschaftsräte sind das Stiefkind der Hochschulpolitik. Denn sie werden zwar gewählt, konstituieren sich aber fast nie. Der Grund: die Fachschaftsinitiativen haben die Mehrheiten, um die Einberufung zu verhindern. Doch am Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichte könnte dieses Jahr einiges anders laufen. Von Anchalee Rüland.


Die Wahl der Fachschaftsräte ist eine reine Routineangelegenheit an der FU. In den meisten Fällen werden sie boykottiert. Denn vielerorts haben die Fachschaftsinitiativen eine absolute Mehrheit im Rat und können so seine Einberufung verhindern. Doch Gegenwind kommt auf am Fachbereich für Geschichts- und Kulturwissenschaften. In der Koserstraße 21 traten nicht wie bisher nur die Fachschaften und die Liberale Hochschulgruppe mit einer Liste an, sondern gleich zwei alternative Gruppen standen neu zur Wahl. Mit eigenen Kandidaten setzte sich die „Unabhängige Liste Geschichts- und Kulturwissenschaften“ (ULGK) und die „Fachschaftsinitiative Archäologie“ für die tatsächliche Einberufung des Fachschaftsrats ein. Zwei von sieben Mandaten würden dafür genügen.

Mitmachen für jedermann

Laut der Satzung der Studierendenschaft der Freien Universität übernimmt ein Fachschaftsrat die studentische Selbstverwaltung am Fachbereich. Er ist das kleine Pendant zum StuPa: Unabhängig von Professoren oder Mitarbeitern kann er mit einem eigenen Budget studentische Projekte ermöglichen. Fünf bis sieben Mitglieder sollen dabei mit „Fragen des Studiums, der Lehre und Prüfung“ betraut werden. Die Realität sieht anders aus. An der großen Mehrheit der Fachbereiche organisiert sich die studentische Selbstverwaltung nach dem Initiativprinzip: Mitmachen für jedermann. Keine Repräsentation. Keine Bürokratie. Und Basisdemokratie für alle. So lauten auch die Schlagwörter für das „abweichende Demokratiekonzept“ der „FSI GeschKult“.

Zu einer Stellungnahme war die Ini leider nicht bereit. Ihr Standpunkt ist jedoch kein Geheimnis: Anstatt studentische Mitbestimmung zu ermöglichen, verhindere der Fachschaftsrat jegliche Möglichkeit der Einflussnahme auf Entscheidungen, heißt es. Des Weiteren verfüge er nicht über ausreichend Basisnähe und sei ein viel zu kleines Gremium, um 4000 Studenten an 20 Instituten zu vertreten. Argumente an denen sich bisher kaum jemand gestoßen hat. Kein Wunder, trat bisher zu den Wahlen lediglich eine nahezu konkurrenzlose Liste der Fachschaftsinitiativen an.

Basisdemokratie + Repräsentation. Ein neues Rezept für die Hochschulpolitik?

Dieses Mal gibt die Opposition Kontra. Die alternativen Listen wollen mehr Legitimität, mehr Pluralität und eine demokratisch gewählte Vertretung, mit der sich nicht nur die ganz Linken des politischen Spektrums identifizieren können. Ihr Vorschlag: eine gewählte Studierendenvertretung für die Ebene unterhalb der Fachbereiche – die Institute. Eine Idee, die durch das Studierendenparlament leicht umgesetzt werden könnte, allerdings die Monopolstellung der Initiativen an den Fachbereichen gefährden würde. Dem entgegen setzen die Fachschaftsinitiativen organisatorische und finanzielle Argumente. Bisher beantragen sie ihre Gelder projektbezogen beim AStA. Als Bestandteil der AStA-tragenden Koalition bleibt ihnen kaum eine Finanzspritzen verwehrt. Geldtechnisch sind die Inis gut versorgt. Aber auch einem Fachschaftsrat stünde ein eigenes Budget zur Verfügung. Befürchtungen seitens der Fachschaftsinitiativen dieses könne nicht ausreichen, seien unbegründet meint die Opposition.

Als koordinierendes Gremium könnte ein Fachschaftsrat verschiedenste „Mitmach-Gruppen“ ins Leben rufen, die Alternativen und Ergänzungen zu den existierenden Inis darstellen. Denn dass auf deren Arbeit kein Verzicht ist, kann nicht in Zweifel gezogen werden. Deshalb sprechen sich die alternativen Listen für ein Nebeneinander von Fachschaftsrat und Mitmach-Initiativen aus. Statt einem „Repräsentation vs. Basisdemokratie“, wie es die Fachschaftsinitiativen PolSoz, OSI, Ethnologie und Puk in einem Positionspapier gegen die Einberufung von Fachschaftsräten darstellen, fordern sie eine Zusammenarbeit. Ganz noch dem Motto: doppelt hält besser.

6 Kommentare

  • Hallo,
    hier versteckt sich ein Fehler… es gibt keine Liste „Fachschaftsinitiative Archäologie“, sondern nur eine „Liste Archäologie“. Einerseits existiert eine solche Initiative nicht (die Inis im Bereich Archäologie heißen: FSI Ägyptologie, FSI Altorientalistik, FSI Prähistorische Archäologie, FSI Klassische Archäologie), andererseits setzt sich diese Liste nur zum Teil aus Leuten zusammen, die in Fachschaftsinitiativen aktiv sind. Vielmehr haben sich Leute daran beteiligt, die in anderen archäologischen Projekten oder Verbänden aktiv waren/sind (Dachverband archäologischer Studierendenvertretungen – archaeoworks – Deutscher Archäologen Verband) und die Ihre positiven Erfahrungen vom Zusammenwirken repräsentativer Strukturen mit Basisdemokratischen Strukturen an der FU einbringen möchten.
    Trotz des Fehlers, Danke für diesen sehr guten Artikel!

  • Hierzu als Lektüre: http://fachschaft-wirtschaft.com/index.php?option=com_content&view=article&id=5:fachschaft-wirtschaft&catid=8:informationen&Itemid=6

    Bei den Wiwis war das ein Kompromiss, der 2009 für beide Seiten doch ganz gut funktioniert hat. Wir haben dort die Marke (a.k.a. das rote Tuch) Fachschaftsrat fallen gelassen, aber die Breite der Wahlergebnisse ebenso respektiert wie das Interesse, offen zu bleiben.

  • Es muss ULGK statt „ULGH“ heißen – Heißt ja auch nicht „Hulturwissenschaft“.

  • Einen großen Kritikpunkt an den FSRs unterschlägt der Autor leider: als in der Satzung verankerte Organe der Verfassten Studierendenschaft haben sie nur ein hochschulpolitisches Mandat. Das hieße am Fachbereich PolSoz bspw., dass der FSR sich nicht gegen die Afghanistan-Forschung des SFB 700 aussprechen dürfte (oder jedenfalls nur in sehr begrenzter Form), weil die Afghanistan-Debatte als allgemeinpolitischer Konflikt nicht für Organen der Verfassten Studierendenschaft „relevant“ ist.

  • „Das hieße am Fachbereich PolSoz bspw., dass der FSR sich nicht gegen die Afghanistan-Forschung des SFB 700 aussprechen dürfte“

    Und gerade deswegen soll der FSR ja NEBEN den Inis bestehen. Doppelt hält besser – wie der Titel des Artikels sagt.

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

  • Ein gutes Beispiel für das erfolgreiche Nebeneinander von Fachschaftsrat und FSI findet sich am FB Jura. Dort konstituiert sich trotz der Mehrheit der FSI schon bald der bereits 14. fsr.

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