Lieber Dieter Lenzen | FURIOS Online
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Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Lieber Dieter Lenzen

Dieter Lenzen tritt ab. Ein Franz-Josef-Wagner-Brief von Claudia Schumacher

Lieber Dieter Lenzen,

Sie verlassen uns. Die Roten im roten Rathaus begrüßen das und wollen Ihnen beim Kofferpacken helfen. Studenten im eigenen Haus kommentieren den Trubel um Ihre Person genervt mit Plakaten à la: »Es geht wieder um: Das Bildungsunwesen«. Darauf: dreimal Ihr Kopf auf dem Rumpf von Nessie. Sie waren der Lieblingsfeind der Linken. Sie waren ein Medienjongleur, aber nach innen wortkarg und kühl. Auch Ihr Studentenvolk in spe an der Alster hat Sie bereits vom Rednerpult verjagt, obwohl Sie sich da ganz untypisch mit studentischen »Funktionären « an einen Tisch setzen. Sie selbst haben einmal gesagt: »Ich wünschte mir, ich hätte die Befindlichkeiten von einzelnen Individuen in der Universität stärker wahrgenommen.«

Die Berliner haben Sie manchmal nur noch Schwarz sehen lassen. Bildungssenator Zöllner konnte Ihnen nie genug Geld für Ihre großen Pläne geben. Sie haben ihn als Sozialisten verachtet und auf halbem Weg nach Hamburg noch über die Schulter geflucht, er steuere Hochschulen wie man es sonst nur von China kenne. Mit Ihnen hatte man es nicht leicht. Hochschulpräsident in Berlin, das ist aber auch kein leichtes Amt. Ihr Kollege Präsident Markschies von der HU legt seines bereits nach der ersten Amtsperiode nieder.

Nachdem Sie über zwanzig Jahre Professor an der FU waren, traten sie das Präsidentenamt mit Wut an: »Die Universität wurde grob behandelt. Das hat mich empört«. Die Freie Universität nannten Sie Ihr »Kind«. Sie haben es durch den Exzellenzwettbewerb gepeitscht. Sie haben es stark und erfolgreich gemacht. Sie haben wie der Felix Magath der Universitäten gehandelt.

Sie hatten treue Freunde. Es gab kaum ein Leck in Ihrem Boot. Selbst bei groben Fehlern blieben die Schotten dicht. Etwa im Berufungsskandal um Scharenberg oder als Sie die Noten von Wirtschaftsstudenten der FU an McKinsey verraten haben. Sie haben polarisiert. Etwa mit der Vermutung, türkische Kinder in Deutschland könnten dümmer sein als deutsche. Oder, als Sie mit kreationistischem Gedankengut kokettiert haben. Wir haben uns rot-geschämt für Sie. Sie sind unverbesserlich. Kein deutscher Unipräsident ist so bekannt, mächtig, begehrt und verhasst wie Sie. Ihr Nachfolger sollte manches anders machen. Bestimmt wird die FU ohne Sie in der Öffentlichkeit an Präsenz verlieren, aber sie kann an innerer Ruhe gewinnen. Dieter Lenzen, machen Sie es gut. Und vergessen Sie nicht: Wagner-Briefe kommen nur aus Berlin.



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