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Überlebenskampf bei den Biologen

Die Biologen haben dem Sparstrumpf den Kampf angesagt. Sie wollen die immer schlechter werdenden Studienbedingungen an ihrem Institut nicht länger hinnehmen. Die Preisverleihung für gute Lehre am vergangenen Mittwoch war ein finanzielles Trostpflaster – und willkommener Rahmen, Kritik an der Sparwut des Präsidiums zu üben.
Von Daniela Hombach

Vom Aussterben bedroht: Das Biologische Institut der FU (Foto: Cora-Mae Gregorschewski)

Vom Aussterben bedroht: Das Biologische Institut der FU (Foto: Cora-Mae Gregorschewski)

Etwa 100 Studenten fanden sich am späten Mittwochnachmittag im Hörsaal der anorganischen Chemie ein, um besonders engagierte Professoren der Biologie, Biochemie, Chemie und Pharmazie auszuzeichnen. Der Preis für gute Lehre ist mit 1000 € dotiert und wird einmal jährlich nach einer Studentenbefragung vergeben. „Mit diesem Geld kann man natürlich den Mangel an Lehrkräften nicht beheben, aber hoffentlich neue Impulse in die Lehre bringen“, meinte Matthias Berg, studentischer Studienberater der Chemie in seiner Begrüßungsrede.

Trotz der Freude über die Auszeichnungen kritisierte jeder der Preisträger die schwierigen Bedingungen, unter denen derzeit geforscht und gelehrt werden muss. Klaus Christmann, Ehrenpreisträger der Chemie, stellte dazu in seiner Rede fest: „Seit Jahren nehmen die Stellen von Tutoren und Mitarbeitern ab, Geld wird nur noch in spezielle Projekte gesteckt. Ich frage mich: Wo ist das Geld, das die FU angeblich aus der Exzellenzinitiative erhalten hat, geblieben?“

Pflichtlehre in Nachtarbeit

Auch am Institut für Biologie leiden Studenten und Professoren unter Einsparungen und Stellenmangel. Im Juni trafen sich daher Lehrende und Lernende in einer Vollversammlung, um Lösungsansätze zu diskutieren. Ein Blatt nahm niemand vor den Mund: „Die Schmerzgrenze ist erreicht. Die Kapazitäten werden schon bis zur Nachtarbeit ausgedehnt, nur um die Pflichtlehre aufrecht zu erhalten.“, so die Professorenschaft. Zu Beginn des Sommersemesters hatten sich alle Professoren der Biologie in einem offenen Brief an das Präsidium gewandt, um herrschende Missstände aufzuzeigen. Die Folge: Funkstille – Lenzen weigerte sich, weiter mit den Biologen zu verhandeln.

Im Mai sammelten dann die Studenten Unterschriften für das Präsidium. Ihre Forderung: „Lasst uns das Studium in der Regelstudienzeit abschließen!“ – denn darum müssen sie bangen. Die Reaktion? Offiziell keine. Inoffiziell aber wurden wenigstens Gelder für die derzeitigen Pflichtkurse zugesagt. Wer die halten soll, ist aber nicht klar. Derzeit sind drei Professuren nicht besetzt, eine soll sogar gestrichen werden. Unter den gegebenen Umständen würde das zum Kollaps führen. In der Lehrplanung werden alle Stellen mitgerechnet, auch die vakanten. Das bedeutet, dass spätestens ab 2010 zusätzlich 40 Studenten pro Semester mehr zugelassen werden müssen.

Das Präsidium zeigte sich im Juni dann doch kooperativ – vielleicht wegen des Protests der Biologen? Würde ein geeignetes Konzept für die Master-Planung vorgelegt, sollte zumindest die vakante Zoologie-Professur bald nachbesetzt werden. Das Konzept wurde eingereicht – und prompt wieder abgewiesen. Die Stellen bleiben also vorerst noch offen.

Dass ein wichtiger Zweig der Biologie in Zukunft für einen Großteil der Studenten verschlossen bleiben wird, ist schon heute klar. Ab 2010 fällt die AG Humanbiologie weg – mit ihrem wichtigen Anteil an der Pflichtlehre. Biologie studieren ohne etwas über den Menschen zu lernen? Für viele undenkbar. Die Stimmung bleibt also aufgeheizt. „Ich glaube nicht, dass die Situation bald besser wird, eher noch schlimmer“, prophezeite eine Studentin am Mittwoch.

Immerhin gibt es inzwischen einen kleinen Lichtblick: Die FU erhielt (ebenso wie die HU) eine mit 750 000 Euro dotierte Auszeichnung der Telekom-Stiftung zur Verbesserung der Lehrerausbildung in den „Mint-Fächern“ (Mathematik, Naturwissenschaften, Technik). Auch die Gelder des Preises für gute Lehre werden den Studenten zugute kommen: Bei den Pharmazeuten soll damit ein langersehnter Netzwerkdrucker teilfinanziert werden, die Chemiker bekommen vielleicht bald neue Sitzgelegenheiten und in der Biologie ist sogar noch ein Teil des Preisgeldes von 2006 übrig. Für die Verwendung der Mittel soll nun die Bio-Ini Vorschläge bringen.

Ein Kommentar

  • Der Untergang der Biologie an der FU ist seit langem ein schwelendes Problem. (Als ich mit dem Bachelor anfing, schimpften bereits die Diplomer wir sollten bloß schnell die Uni wechseln, das würden hier viele machen)
    Die Folgen des Kaputtsparens wird die Uni dank Bachelor / Master – System auch sehr bald sehr direkt zu spüren bekommen. Denn nach dem Abschluss des Bachelor überlegen sich Absolventen des Biologie-Fachbereiches dreimal, ob sie an dieser Einrichtung tatsächlich ihren Master machen wollen. Praktisch sieht es so aus, dass aus den bereits abgeschlossenen Bachelorstudiengängen (Monobachelor Biologie) kaum Leute an der FU geblieben sind. Studierende, die wirklich etwas lernen wollen, wechseln schleunigst die Uni – braindrain. Im Master Ökologie/Evolution sind deshalb exakt 2 Studierende eingeschrieben, mehr hatten kein Interesse. Die Eingeschrieben sind keine Absolventen der FU. Beide wussten zuvor nichts von den krassen Zuständen am Fachbereich. Inzwischen hat sie das Leben belehrt…

    Selbstkritisch muss aber auch erwähnt werden, dass die Studierendenschaft an der Biologie hochschulpolitisch (in der Vergangenheit) äußerst passiv verweilt hat (mich nach anfänglicher Aktivität eingeschlossen). Schnell den Bachelor machen und dann abhauen ist hier Konsens, an Veränderung glauben wenige. Doch ohne Druck aus der Studierendenschaft erlaubt sich das Präsidium zu viel.

    Oft wird über hochschulpolitsch aktive Studenten müde gelächelt. Was aber passiert, wenn sie fehlen, kann an der Biologie beobachtet werden.

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