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Steinmeier ohne Studenten

Stell dir vor es ist Wahlkampf an der Uni und kein Student geht hin. Wie Frank-Walter Steinmeier einer Seniorenrunde im Campus-Hotel der FU vorlas.

freitagskommentar

Von Tobias Heimbach

Der Wahlkampf erreicht die Uni nun doch. Am Donnerstag, den 9.7.2009, hat sich Frank-Walter Steinmeier im Campus Hotel angekündigt, dem neuen Schmuckstück der FU. Superwahljahr 2009 bedeutet Stimmenfang und Steinmeier liest aus seinem Buch „Mein Deutschland. Wofür ich stehe“. Für den promovierten Juristen ist es quasi ein Heimspiel, er wohnt ganz in der Nähe in Zehlendorf.

Passend zum universitären Umfeld berücksichtigt der Kanzlerkandidat der SPD die akademische Viertelstunde und betritt um 18:17 Uhr mit betont guter Laune den Raum. Nach einer kleinen Vorrede seines heutigen Sidekicks und SPD-Kandidaten für den Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf Klaus-Uwe Benneter, der ihn aus Versehen mit „Franz-Walter“ anspricht, beginnt Steinmeier die Lesung.

Eine Seniorenleserunde

Er betont nur sein Buch vorstellen und keinen Wahlkampf betreiben zu wollen. Etwas unglaubwürdig, aber wer will es ihm verübeln angesichts der aktuellen Umfragewerte. Bei näherer Betrachtung des Publikums fällt auf, dass es neben einigen gelangweilten Medienvertretern nur eine Handvoll jüngerer Leute anwesend sind. Grauhaarige „Best Ager“ bestimmen die Szenerie. Bei einem Besuch direkt auf dem Campus einer Universität erstaunt es doch so wenige junge Menschen zu sehen.

Gute Ansätze

Wieso gelingt es Steinmeier nicht mehr junge Leute anzuziehen? Das Wahlprogramm enthält durchaus Punkte, die Studenten ansprechen sollen: mehr Geld für Bildung, eine Erweiterung des BAföG, keine Studiengebühren und ein vages Bekenntnis zu einer paritätischen Besetzung der universitären Gremien. Jedoch wird auch die Exellenzinitiative als „sozialdemokratisches Erfolgsprojekt“ angepriesen. Wie das Gros der Studenten dazu steht, ist hinlänglich bekannt, aber es wird sicherlich nicht der Grund gewesen sein die Veranstaltung nicht zu besuchen. Auch die alte Leier von der Politikverdrossenheit der jungen Generation zählt nicht. An der FU gibt es viele politikinteressierte Studierende.

Nichts getan und nichts versucht

Alles in allem bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Die Lesung sollte keine Wahlkampfveranstaltung sein. Gleichzeitig trug Steinmeier sein Wahlkampfbuch vor. Die Lesung richtete sich nicht unbedingt an Studenten. Aber der Campus wird als Veranstaltungsort gewählt. Zwar lagen einige Flyer an der Uni aus, wenn Steinmeier mit dem gleichem Aufwand für seine Partei wirbt, wie für sein Buch, dann kriegen wir gar nicht mit, dass die SPD überhaupt zur Wahl antritt.

Dass die Sozialdemokraten wenig junge Wähler für sich gewinnen können ist kein Geheimnis. Die Überalterung der Partei trägt ihr übriges dazu bei. Umso dringender hätte Steinmeier die Studenten in seine Veranstaltung locken müssen. Hat er nicht getan, hat er nicht versucht. Ja, wofür steht das nun, Herr Steinmeier?

3 Kommentare

  • Die Verräterpartei brauchst sich gar nicht wundern, was die so schreiben und tönen hört sich zwar meist ganz gut an, in der Umsetzung erweist sich die Partei aber eher als dem linken Flügel der CDU zugehörig. Wie hatte Müntefering damals so schön gesagt? Er fände es ungerecht, in nach der Wahl an dem zu messen, was er zuvor versprochen hat. Warum sollte man noch SPD wählen, wenn am Ende doch die ‚Sachzwänge‘ regieren? Die letzten jungen Wähler hatte die (S)PD bei ihrer Zustimmung zur Internetzensur verloren, von manchen wurde das bemerkenswertes physikalisches Phänomen betrachtet, zuvor konnte noch nicht beobachtet werden, wie jemand, der nach mehrmaligen Umfallen am Boden liegt, nochmal so tief sinkt.
    Naja, in diesem Sinne wünsche ich der Verräterpartei viel Erfolg bei ihrem Projekt „18-„, eigentlich schade um die Partei, ich hatte sie doch tatsächlich einmal gewählt

  • Kleine Berichtigung – ich glaube, das „Franz-Walter“ war kein Versehen. Wenn man die SPD kennt, weiss man IMHO, dass die Herren Genossen sich in der Regel duzen – ob Minister oder nicht.

  • @chehggy: Der Versprecher betraf nur FranZ-Walter (anstatt FranK-Walter). Ansonsten haben sie sich die ganze Zeit geduzt.

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