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Gestatten ein paar Fragen zu Eliten?

Das Deutsche Studentenwerk hat einen Plakatwettbewerb zum Thema „Elite“ veranstaltet. Resultat: Elite ist Scheiße. So einfach soll das sein?

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„Elite! Für alle?“, fragte das Studentenwerk im Rahmen eines Plakatwettbewerbs. 344 Beiträge wurden eingereicht. Vielleicht hat das Studentenwerk bereits im Voraus entschieden, daß Elite mies ist und die Sieger entsprechend ausgewählt. Vielleicht waren aber auch wirklich alle 344 so banal und eindeutig wie die, die Spiegel Online jüngst präsentiert hat: Da wären ein Stinkefinger, der das „i“ in Elite ersetzt, eine (angeblich) unter Elitedruck kotzende Frau oder ein nackter Hintern mit tätowiertem Elitelogo. Das sollen die kreativen Kommentare zur Elite-Debatte sein?

Das Studentenwerk war über die Einsendungen mehr als erfreut. Präsident Prof. Dr. Rolf Dobischat ließ sich sogar zum Statement hinreissen, die Plakate seien „respektlos, kreativ und vielschichtig“. Na ja. Gewonnen hat das Foto einer Hand, die Streichhölzer zur Wahl hinhält. Eines ist ersetzt durch das Wort „Elite“. Die Message: Elite ist reine Glücksache. „Vielschichtig“ sieht etwas anders aus.

Die Elite-Debatte an Deutschlands Hochschulen habe bisher ohne die Studierenden stattgefunden, schreibt das Studentenwerk. Daher der Plakatwettbewerb. Doch scheint der Frust über Bologna und Bachelor den Teilnehmern die Möglichkeit genommen zu haben, das gestellte Thema auch mal von anderen Blickwinkeln zu betrachten.

Ein paar alternative Fragen würden dieser Debatte gut tun. Zum Beispiel: Wieso ist Elite ein Schimpfwort? Dienen die Errungenschaften von Eliten im Bereich Forschung möglicherweise auch dem Wohl der Allgemeinheit? Woher kommt die Angst vor Eliten? Warum hat sich eigentlich noch nie jemand beschwert, daß Polizei und Armee Eliteeinheiten haben? Ist das asozial? Kann es nicht auch für die Forschung sinnvoll sein, überdurchschnittliche Personen überdurchschnittlich zu fördern? Wäre es auch möglich, Eliten (Plural!) zu haben? Aber eben auch: Wie ermöglicht man denen den Zugang zu diesen Eliten, die bislang bereits in den ersten Schuljahren ausgesiebt wurden, weil sie aus sozial schwachen Schichten kommen? Und wenn wir schon dabei sind: Macht es eigentlich Sinn, einen Wettbewerb zum Thema „Elite“ unter denen auszutragen, die als Studierende bereits zur Bildungselite gehören?

4 Kommentare

  • Was für eine Bildungselite? Ich gibt keine!

  • Ja wenn es denen nicht gefällt, an der FU zu sein, sollen sie sich eine andere Uni suchen.

  • Antworten auf die Fragen sind gefragt. Hier kommen sie:

    „Wieso ist Elite ein Schimpfwort?“
    Sprache unterliegt ständigen modischen Wellen und kulturellen Strömungen. Das Wort „geil“ wurde zunächst im botanischen, dann im vulgären und wieder später im kommerziellen Rahmen verwendet. Worte wechseln ihre Bedeutung wie Bäume ihre Blattfarbe. Demnach ist „Elite“ nur aus modischen Aspekten gerade ein Schimpfwort. Warum? Das klärt sich vielleicht gleich.

    „Woher kommt die Angst vor Eliten?“
    Ich denke (Achtung: alter Hut!) das hat AUCH mit unserer Erfahrung im Nationalsozialismus zu tun. Waren nicht die Arier die Elite unter den Völkern? Waren es nicht die Zigeuner, Juden und geistig schwachen, die sich dem Fortschritt in den Weg zu stellen drohten? Heidegger berichtete abfällig in seiner Vorlesung „Einführung in die Metaphysik“ (1935) vom überhandnehmenden „Mittelmaß“ – gebraucht dagegen würden „Lenker“ und „Denker“, sonst komme es zum Verfall der Nation – Eliten eben…

    „Warum hat sich eigentlich noch nie jemand beschwert, daß Polizei und Armee Eliteeinheiten haben?“
    Weil es einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Forschung und Polizei gibt. Ich bemühe gerne das Bild der Evolution, um das Vorgehen der Forschung zu verdeutlichen. Evolution verläuft NICHT zielgerichtet (also blind), hat kein Bestreben sich zum Höheren zu entwickeln und Organismen, die zu sehr spezialisiert sind, drohen auszusterben, sobald neue Krankheiten oder Umweltänderungen eintreten (siehe Gepard).
    Forschungsrichtungen, die aktiv gefördert wurden (künstliche Intelligenz) brachten kein praktisches Resultat zustande. Forschungsrichtungen, die als Orchideenfächer betitel wurden (Ostasienwissenschaften, Orientalistik…) sind plötzlich hoch gefragt.
    Welche Forschung gefördert werden soll und welche nicht, ist also nur schwer zu prophezeihen. Wer Wissenschaft lenken will, versucht ein chaotisches System zu manipulieren. Elitenförderung ist der Versuch dies zu tun. Das kann nicht gut enden.

    „Macht es eigentlich Sinn, einen Wettbewerb zum Thema „Elite“ unter denen auszutragen, die als Studierende bereits zur Bildungselite gehören?“
    Wer, wenn nicht die Bildungseliten, soll sich mit der Elitendiskussion denn sonst befassen? Und einmal abgesehen davon. Wenn eintritt, was in der Zukunft geplant ist, nämlich 40% eines Schuljahrganges an die Uni zu holen, wenn das eintritt, kann dann noch von Bildungseliten gesprochen werden?

  • Ich möchte mal aus ganz subjektiver Perspektive kommentieren. Ich selbst bin so langsam am Ende meines Studiums angelangt und bekomme das, was ich unter anderem unter Elitenbildung verstehe ganz konkret mit. Es gibt da diejenigen, mit denen man zu studieren angefangen hat, die sich schon seit längerem um alles kümmern. Den Praktika und Auslandsaufenthalten hinterherhecheln, die sich auf Partys über Scheine und Prüfungen unterhalten, diverse Stiftungleistungen erhalten und die sonst für nur noch ganz wenig anderes Zeit haben. Und es gibt Leute wie mich, die das alles nicht so mitmachen wollen, weil es andere spannende und wichtige Dinge im Leben gibt. So weit so gut, eigentlich ja kein Problem, können ja alle machen, was sie wollen. Wäre da nicht dieses komische Gefühl des „abgefahrenen Zuges“ oder wie auch immer. Ich selbst merke zunehmend, dass ich nicht zur „Elite“ gehören werden. Viele meiner Mitstudierenden schon. Ich kann davon ausgehen, dass hier viele Karriere machen werden, Gutes Geld verdienenen werden usw. Ich selbst werde mich wohl darauf einstellen müssen, lange Zeit irgendwie über die Runden kommen zu müssen, bzw. prekär beschäftigt zu sein. Die Frage ist nun: Ist das gerecht? Ich denke nein. Ich halte mich für genauso elitenfähig wie andere, ich bin weder dümmer noch fauler noch sonstwie. Ich habe nur eine gewisse Grundskepsis gegenüber den Vorgaben, die mir die gemacht werden. Das Elitenzugehörigkeit sich anscheindend genau an der Stelle entscheidet, sagt dann doch viel über das Konzept der Elite aus.

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