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Aktionstraining an der FU: Bereit für den Banküberfall?

Auch Aktivisten stehen nicht auf Knochenbrüche. Damit sie den Bildungsstreik heil überstehen, gibt es Blockade- und Deeskalationstrainigs.

Studenten malen Plakate in der Silberlaube

Streikvorbereitung auf Hochtouren: Plakatmalerei in der Silberlaube. Foto: Cora-Mae Gregorschewski.


Ein Erlebnisbericht von Marlene Göring.

Wer ein Ausbildungslager für den modernen Straßenkämpfer erwartet hatte, sah sich getäuscht. Meine Mitstreiter waren ganz normale Studis. Keine Spur von Aggression und verzweifeltem Prekariat. Eine lockere Atmosphäre schufen die Vorstellungsrunde der Dörtes und Michaels und ein Teilnehmer, der an den Füßen tatsächlich zwei verschiedene Schuhe trug. Organisiert wurde das Treffen vom Bildungsstreik-Team „Ziviler Ungehorsam“. Unser Trainer Moritz brachte einige Aktionskompetenz mit. Er gehört zum Trainernetzwerk „skills for action“, das im Vorfeld des G-8-Gipfels 2007 in Heiligendamm zahlreiche Workshops angeboten hatte.

Nie ohne deine Bezugsgruppe!

Auch wenn das Aktionstraining allgemein ausgerichtet war, nahm Moritz immer wieder Bezug auf den geplanten symbolischen Banküberfall im Rahmen des Bildungsstreiks. Moritz legte uns von Anfang an nah: „Ihr müsst eurer Bezugsgruppe vertrauen!“ Wir lernen: Die Bezugsgruppe, das ist nach dem Individuum die kleinste Organisationseinheit einer Demo. Sie bietet ihren Mitgliedern Schutz und Sicherheit. Sie macht die Kommunikation innerhalb der Masse möglich und bringt Ruhe ins Chaos. Sollten dennoch Stresssituationen auftreten, lässt sich der Wille der Bezugsgruppe über ein 5-Punkte-System ermitteln. Wer eine Frage an seine Bezugsgruppe hat, bekommt von dieser per Fingerheben Antwort. 1 Finger: Totale Zustimmung. 2 Finger: Zustimmung. 3 Finger: Zustimmung mit Bedenken. 4 Finger: Enthaltung. 5 Finger: Ablehnung, aber ohne den Vorschlag zu blockieren. Faust: Veto. Wenn man trotz dieser ausgeklügelten Kommunikationsstrategie getrennt von der eigenen Bezugsgruppe im Knast landet, sollte man nichts unterschreiben. „Nicht einmal die Quittung für die von der Polizei abgenommene Brieftasche!“, bekräftigt Moritz. Man darf dem Feind nie über den Weg trauen!

Durchbrechen feindlicher Linien

Dennoch kann es vorkommen, dass man die Wege des Feindes kreuzen muss. Etwa bei Blockadedurchbruch. „Aber auch hier hilft die Solidarität in den eigenen Reihen“, so Moritz. Der Zusammenhalt sei, gleich nach der Masse, der wichtigste Begleiter für die erfolgreiche Demonstration. Masse zu simulieren fiel uns Aktionsazubis schwer: Wir waren nur zu acht. Im praktischen Teil des Trainings ging es trotzdem zur Sache. Freudig spalteten wir uns in Polizei und Demonstranten auf. Durch gekonntes Verknoten erschwerte die eine Gruppe der anderen das Wegtragen aus der Sitzblockade. Das Durchbrechen feindlicher Linien erinnerte aber auf beiden Seiten eher an Abiturientenpogo als an Straßengefechte. Immerhin konnte man erahnen, wo sich im Härtefall Aggressionspotential bietet. Und wie man es vermeidet. Deeskalation ist die oberste Maxime von „skills for action“. Das verhindert gebrochene Arme und wird auch dem bürgerlichen Bedürfnis nach Sicherheit, von dem nicht mal Rebellen frei sind, gerecht.

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