„Ohne Freunde bist du aufgeschmissen!“ | FURIOS Online
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„Ohne Freunde bist du aufgeschmissen!“

Gar nicht so leicht: Studieren mit Kind

Gar nicht so leicht: Studieren mit Kind

Text: Moritz Leetz und Daniela Hombach     Foto: Cora-Mae Gregorschewski

„Ist das Ihr Kind?“, die Dozentin schaut mit großen Augen auf den Kinderwagen und die herumspringende Sarah*. Ihre Irritation ist offensichtlich. Sarah klärt die Situation schnell auf: „Nee, das ist doch nicht mein Papa. Der will nur was über mich schreiben, ich bin nämlich wichtig“, grinst sie.

Die Fünfjährige findet die Freie Universität (FU) toll. Ihre Mutter Alex*, macht gerade einen Master in Erziehungswissenschaften – 2008 hat sie sogar ihr zweites Kind, Anna, bekommen.
„In meinem ersten Semester war Anna ein Jahr alt und ich alleinerziehend. Wenn es nicht anders ging, habe ich sie eben ins Seminar mitgenommen.“ Alex gehört zu den wenigen studierenden Eltern an der Eliteuniversität in Dahlem. In Berlin gibt es 12 000 Studierende mit Kind. Einer von ihnen ist beispielsweise Björn. Er studiert im 14. Semester Biologie und Chemie auf Lehramt und hat durch seine Frau drei pubertierende Kinder in einer Patchwork-Familie. Die sind im Moment gar nicht begeistert davon, dass ihr „Stiefvater“ noch studiert. Der Ältesten ist im Moment sowieso die ganze Familie peinlich. „Dass ich nicht arbeiten gehe, macht die Sache nur schlimmer“, erzählt Björn. Für die Wünsche der Mädchen bleibt meist wenig Geld übrig, denn das Studium mit Kind ist vor allem in finanzieller Hinsicht schwierig.

Der 600-Euro-Zuschuss

Über die Geldprobleme mit einem Baby machen sich Fabian und Lisa gerade erst Gedanken. Die werdenden Eltern erwarten ihren Sohn im Oktober und haben sich bereits über mögliche Hilfsmittel informiert. Pro Monat werden ihnen knapp 600 € an Zuschüssen zur Verfügung stehen, zusammengesetzt aus Eltern- und Kindergeld sowie dem BaFöG-Kinderzuschlag. Außerdem spekulieren die beiden auf finanzielle Unterstützung für die „Babyerstausstattung“ vom Sozialamt. „Die stellen sich zwar bei Studenten immer quer, aber das wird schon gehen“, meint Lisa. Die Betreuung des ungeborenen Kindes ist schon geregelt: Der Kitaplatz kostet für Studenten nicht mehr als 50 € pro Monat.

Priorität: Familie!

Unabhängig von den Finanzierungsproblemen kann auch das akademische Umfeld für Stress sorgen. „Solange es keine Probleme gibt, sind alle begeistert von meiner Karriere mit Kind, aber wehe es läuft mal etwas schief.“, so Diana, die wie ihr Mann an der FU forscht und lehrt. Wenn die Tochter dem Beruf in die Quere kommt, darf sie sich von Kollegen mit klassischem Familienbild anhören, warum sie Einschnitte bei ihrer Arbeit machen muss, wenn die Betreuung ihrer Kinder mal nicht reibungslos läuft. „Da muss man eben Prioritäten setzen – und für mich ist das die Familie.“

Von Partyvolk zu Spielplatzfreunden

Davon kann auch Alex ein Lied singen: „In den ersten BA-Semestern bin ich regelmäßig um vier Uhr nachts aufgestanden, um mein Pensum zu bewältigen, während Sarah noch schlief.“ Tagsüber wollte sie möglichst viel Zeit für ihre Tochter haben. Zudem hat sich der Freundeskreis stark verschoben – vor der Schwangerschaft viel Partyvolk, dank Sarah heute vor allem Spielplatzfreunde. „Die kennen die Probleme mit Kindern und springen gerne mal für die Betreuung ein, wenn alle Stricke reißen. Ohne Freunde bist du aufgeschmissen.“

Und Sarah? Die genießt den Erdbeerquark in der Mensa und bekommt von den Schwierigkeiten ihrer Mutter nicht viel mit. Alex tut alles, um die Organisationsprobleme von ihrem Nachwuchs fernzuhalten. Für sie haben sich seit der ersten Schwangerschaft die Prioritäten komplett verschoben: Die Kinder stehen an erster Stelle, Studentin ist sie nur noch in zweiter Linie.

* Die Namen aller Eltern und Kinder wurden von der Redaktion geändert.

5 Kommentare

  • Seid ihr sicher, dass ihr euch die Beispieleltern nicht bloß ausgedacht habt? Ich verstehe jedenfalls nicht, warum bei so harmlosen Statements die Notwendigkeit bestehen sollte, die Namen von Kindern UND Eltern zu ändern. Riecht für mich jedenfalls oberfaul…

  • …vielleicht wollten die betroffenen Personen ja nicht, dass ihr richtiger Name genannt wird.

    Das die Änderung der Namen ein Indiz für eine ausgedachte Geschichte sein soll, empfinde ich als einen seltsamen Gedankengang.

  • Also mir kam es beim Lesen auch seltsam vor, immerhin geht es hier doch nur um Vornamen, die es zigmal an der FU gibt. Und wer will bitte seinen Vornamen nicht genannt wissen, lässt sich aber gleichzeitig mit seiner Tochter abbilden? Oder sind das andere als die Befragten? Das finde ich seltsam… Schönes Wochenende, Katinka

  • Hey Katinka, hey Stephan,

    die Eltern gibt es tatsächlich alle wirklich an der FU. Und: Ja, die Mama auf dem Foto war damit einverstanden, dass wir das Bild verwenden, hat aber darum gebeten, dass ihr Name und der ihrer Tochter geändert werden.

    Besten Gruß,

    Moritz.

  • emm… funny 🙂

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